In Viersen steht das Martinsfest vor der Tür, und die Stadt sieht sich vor Herausforderungen. Die Freie Demokratische Partei (FDP) fordert dringend Unterstützung für die Martinsvereine, da neue Sicherheitsanforderungen die Organisation der traditionellen Martinszüge gefährden könnten. Bürgermeisterkandidat Morten Endrikat warnt, dass diese Maßnahmen, wie das Postieren von Lastwagen an Zufahrtsstraßen und der Einsatz von Polizeifahrzeugen, einen kulturellen Kahlschlag nach sich ziehen könnten. Die FDP befürchtet, dass kleinere Veranstaltungen in der Stadt unter diesen Vorgaben leiden könnten. Über die konkreten Pläne will die Stadt jetzt den Dialog mit Traditionsvereinen und Kindertagesstätten suchen (RP Online berichtet).

Das Martinsfest, das am 11. November gefeiert wird, markiert den Beginn der festlichen Jahreszeit. Es wird mit Lichtern, Martinsfeuern und Gesang gefeiert, um die dunklere Jahreszeit ein wenig heller zu machen. Die Tradition, die eng mit dem heiligen Martin von Tours verbunden ist, entstammt einer Legende, in der Martin seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Diese Geste des Teilens hat im Kern die Werte, für die der heilige Martin steht. Die Überlieferungen und Bräuche rund um das Fest sind jedoch nur lückenhaft dokumentiert. Aus diesem Grund setzen sich Jeyaratnam Caniceus und René Bongartz in Kempen für die Anerkennung der Rheinischen Martinstradition als immaterielles Kulturerbe ein. Bei der Planung einer Ausstellung stellte sich heraus, dass viele schriftliche Aufzeichnungen fehlen, was die Arbeit erschwerte (Kirchenzeitung berichtet).

Tradition und Kultur im Fokus

Die rheinischen Martinszüge haben eine lange Geschichte. Der erste organisierte Martinszug fand 1867 in Dülken statt und breiteten sich schnell vom Niederrhein bis zur Voreifel aus. Wenige Jahre später, 1886, trug ein als St. Martin verkleideter Junge erstmals die Fahne des Zuges in Düsseldorf. Diese Umzüge sind nicht nur eine tief verwurzelte Tradition, sondern auch ein Teil des immateriellen Kulturerbes Nordrhein-Westfalens. Der Tag des heiligen Martin, der 11. November, fällt mit bedeutenden Bauernfeiertagen zusammen. So wurde das Fest in die Kulturen der Region integriert und die Martinsbräuche entstanden gleichzeitig mit der Heiligenverehrung im 5. Jahrhundert, was die Festivität mit vielen regionalen Eigenheiten bereichert hat (MKW Nordrhein-Westfalen berichtet).

Angesichts dieser kulturellen Dissemination bleibt zu hoffen, dass die neu eingeführten Sicherheitsbestimmungen nicht dazu führen, dass der Kern der Martinszüge verloren geht. Insbesondere die Kinder, die in bunten Laternenumzügen durch die Straßen ziehen, sind der Mittelpunkt dieser Feierlichkeiten. Es gilt, die Tradition lebendig zu halten, und die Stadt Viersen steht dabei in der Verantwortung, einen geeigneten Rahmen für diese wertvolle Tradition zu schaffen.

Gemeinsam mit den Traditionsvereinen, den Eltern und der Stadtverwaltung sollte ein Weg gefunden werden, dass die Martinszüge trotz aller Herausforderungen unvergesslich bleiben. Schließlich soll das kulturelle Erbe nicht nur bewahrt, sondern auch an die kommenden Generationen weitergegeben werden.