Am Rosenmontag, dem Höhepunkt des Straßenkarnevals, gibt es in vielen Städten ein buntes Treiben. Auch in den Kreisen Gütersloh und Warendorf fanden bereits am Wochenende große Umzüge statt, die trotz des winterlich-grauen Wetters viele Besucher anlockten. Doch der Höhepunkt des Festes steht noch bevor: In Köln und Düsseldorf wird der Rosenmontagszug traditionell mit großer Begeisterung gefeiert, und heuer ist das Geschehen besonders politisch geprägt.
Der Umzug in Füchtorf startete pünktlich um 9:33 Uhr, während Beckum eine Stunde und 38 Minuten später folgte. Am Nachmittag fanden zahlreiche weitere Umzüge in der Region statt, begleitet von tausenden Zuschauern. Selbst ein Schneefall in der Nacht zu Montag konnte die Karnevalisten nicht aufhalten, da die Straßen rechtzeitig geräumt wurden. Die Berichterstattung über die Ereignisse erfolgt live durch die Lokalredakteure der „Glocke“.
Politische Botschaften im Fokus
In diesem Jahr stehen die politischen Botschaften ganz klar im Vordergrund der Umzüge. Insbesondere der russische Präsident Wladimir Putin wird an vielen Wagen thematisiert. Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly, bekannt für seine prägnanten satirischen Darstellungen, präsentierte gleich drei Karikaturen des umstrittenen Führers, obwohl er selbst von der russischen Justiz verfolgt wird. Diese Verfolgung führt zu einer breiten Solidaritätsbekundung in Deutschland, besonders an den Karnevalswagen in Köln, wo Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn die Losung „Mer all sin Tilly“ anbrachte, um Tilly zu unterstützen.
Jacques Tilly, geboren 1963 in Düsseldorf, ist seit 1984 mit seinen Mottowagen beim Düsseldorfer Rosenmontagszug vertreten. Seine Arbeiten sind für ihre scharfe satirische Bearbeitung aktueller gesellschaftspolitischer Themen bekannt. In den letzten Jahren sorgten seine Werke immer wieder für intensive Debatten über Kunst und Meinungsfreiheit, was ihm zahlreiche Kontroversen einbrachte. Beispielsweise erregte ein Wagen von ihm im Jahr 2022, der Putin darstellt, viel Aufsehen, doch auch in der Vergangenheit war Tilly öfters in der Kritik – etwa für Darstellungen von Helmut Kohl oder Kardinal Meisner.
Ein ebenso aufregender Umzug in Köln
Der Kölner Rosenmontagszug verzeichnete in diesem Jahr rund 11.500 Teilnehmer, 60 Kapellen und 21 Persiflagewagen. Neben Wladimir Putin wurden auch andere politische Figuren wie Bundeskanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil satirisch dargestellt. In Düsseldorf war zudem eine Pappmaché-Figur von Jeffrey Epstein zu sehen, die eine dämonische „Wiederauferstehung“ darstellt.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul äußerte sich zur Veranstaltung und betonte, dass der Rosenmontag zwar ein fröhliches Ereignis ist, aber auch Risiken birgt. Tatsächlich gab es kleinere Pannen, etwa zwei Wagen, die nicht ansprangen und Starthilfe benötigten. Doch insgesamt verlief der Umzug friedlich.
Die fesselnden und oft kontroversen Themen, die in den Umzügen behandelt werden, tragen zur besonderen Atmosphäre des Karnevals bei. Jacques Tilly, der im September 2024 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde, bleibt ein zentraler Akteur und plant, mit seiner kritischen Kunst weiterhin ein Zeichen zu setzen. Auch die Vorfreude auf die Mottowagen für das kommende Jahr ist bereits groß, da die Entstehung solcher Kunstwerke viel Kreativität und Aufwand erfordert.
Das bunte Treiben und die satirischen Botschaften sind also auch in diesem Jahr ein fester Bestandteil des Karnevals, der in Köln und Düsseldorf hoch im Kurs steht.