In Nordrhein-Westfalen hat die Gewerkschaft Verdi Beschäftigte von über 30 kommunalen Nahverkehrsunternehmen zu zweitägigen Warnstreiks am Freitag und Samstag aufgerufen. Rund 30.000 Mitarbeiter in Städten wie Köln, Düsseldorf, Bonn, Duisburg, Dortmund, Gelsenkirchen, Oberhausen, Hagen und Bielefeld sind von den Streiks betroffen. Während an diesen Tagen in zahlreichen Unternehmen ganztägig kein Bus- oder Bahnverkehr stattfinden wird, gibt es eine Ausnahme: Die Aachener Verkehrsbetriebe (Aseag) fahren am Wochenende normal weiter. Aseag hat einen eigenen Haustarifvertrag, der nicht Teil der aktuellen Tarifverhandlungen ist, weshalb gewerkschaftlich organisierte Mitarbeitende der Aseag nicht streiken dürfen. Mehr dazu hier lesen.

Verdi fordert eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich, eine Erhöhung der Ruhezeit zwischen Schichten von zehn auf mindestens elf Stunden sowie eine Anhebung des Sonntagszuschlags von 25 auf mindestens 40 Prozent. Des Weiteren wird mehr in Personal und Infrastruktur investiert, um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu verbessern. Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen sieht diese Forderungen jedoch kritisch und hält sie angesichts der finanziellen Lage vieler Unternehmen für nicht realisierbar.

Warnstreiks und deren Auswirkungen

Die Warnstreiks, die am Freitag und Samstag stattfinden, könnten erhebliche Auswirkungen auf den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen haben. Tausende Busfahrer und andere Beschäftigte werden voraussichtlich an diesem Arbeitskampf teilnehmen. In Städten wie Dortmund wird der Nahverkehr zum Beispiel am Freitag und Samstag vollständig stillgelegt; alle Stadtbahn- und Buslinien fallen aus. Am Niederrhein sind ebenfalls Einschränkungen möglich, jedoch wird kein vollständiger Stillstand prognostiziert. Private Subunternehmen sind nicht betroffen, sodass teilweise Linienbusse weiterhin fahren könnten. S-Bahnen und Regionalzüge sollen planmäßig verkehren, könnten jedoch überfüllt sein. Details dazu finden Sie hier.

Die erste Verhandlungsrunde endete ohne ein Angebot der Arbeitgeber. Die Gewerkschaft erwartet, dass die Auswirkungen der Streiks ähnlich gravierend sein werden wie am 2. Februar, als bereits 12.000 von 30.000 Beschäftigten die Arbeit niederlegten. Arbeitnehmer müssen sich nun um Alternativen kümmern, da sie das Wegerisiko tragen. Der ADAC prognostiziert ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, insbesondere am Freitagnachmittag. Daher wird empfohlen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder auf das Fahrrad und Sharing-Angebote zurückzugreifen.

Die Hintergründe der Tarifverhandlungen

Die Tarifverhandlungen, die mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV NW) stattfinden, konzentrieren sich auf zentrale Themen wie Arbeitsbedingungen, Wochenarbeitszeit, Schichtdienste und Sonntagszuschläge. Verdi fordert neben der Reduzierung der Wochenarbeitszeit auch eine Mindestruhezeit von 11 Stunden zwischen Schichten und einen Zuschlag von mindestens 40 Prozent für Sonntagsarbeit. Zudem will die Gewerkschaft den Freistellungsumfang für Gewerkschaftsarbeit auf 8 Tage erhöhen und den Geltungsbereich auf kurzfristig Beschäftigte ausweiten. Die Laufzeit des neuen Manteltarifvertrags soll 24 Monate betragen. Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Insgesamt ist abzuwarten, wie die Verhandlungen und die anstehenden Warnstreiks die Situation im öffentlichen Nahverkehr beeinflussen werden. Die nächsten Verhandlungsgespräche sind für den 2. März 2026 angesetzt, und die Gewerkschaft hofft auf Fortschritte im Sinne der Beschäftigten.