Am 9. November 2025 wurde in Wuppertal eine bewegende Gedenkfeier abgehalten, um an die Pogromnacht von 1938 zu erinnern. Die Veranstaltung, die als Zeichen gegen Ausgrenzung und Antisemitismus gedacht war, fand am Weinberg statt. Unter den Anwesenden waren verschiedene Würdenträger, darunter die Superintendentin Ilka Federschmidt, Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, Remscheids OB Sven Wolf und der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh. Leonid Goldberg, der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, hielt eine eindringliche Ansprache und verwies auf die Ereignisse von vor 87 Jahren sowie die jüngsten Angriffe der Hamas am 7. Oktober 2023. „Juden fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher“, erklärte Goldberg.
Die Pogromnacht, auch bekannt als „Reichskristallnacht“, stellt einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte dar. Am 9. November 1938 wurden über 1.400 Synagogen und betroffene Räume verwüstet, mehr als 7.500 Geschäfte geplündert und über 30.000 männliche Juden in Konzentrationslager gebracht, was den Übergang von Diskriminierung zur systematischen Verfolgung und letztlich zur Schoah markierte. In seiner Rede erinnerte Sven Wolf daran, dass diese Nacht die „hässliche Fratze des Hasses“ klar sichtbar machte. Er sprach von der Schande dieser Geschehnisse und setzte sich für die Aufarbeitung der Geschichte ein.
Eine dunkle Vergangenheit im Licht der Gegenwart
Rabbiner Chaim Kornblum sprach ein jüdisches Totengebet und nannte die Konzentrations- und Vernichtungslager, die das Grauen der damaligen Zeit verkörpern. In Wuppertal selbst brannten während der Pogromnacht Synagogen, während jüdische Häuser und Geschäfte demoliert und geplündert wurden. „Viele schauten weg und machten sich durch Unterlassen schuldig“, betonte Wolf in seinem eindringlichen Plädoyer für ein wachsam bleibendes, tolerantes Miteinander. Ilka Federschmidt verdeutlichte die Verantwortung der heutigen Gesellschaft, indem sie sagte: „Ein solches Verbrechen darf nie mehr geschehen.“
Die fortdauernde Bedrohung für jüdische Gemeinschaften in Deutschland wird durch aktuelle Terroranschläge, wie jene in Halle 2019 und in Oldenburg 2024, unterstrichen. Solche Vorfälle haben Ängste bei Juden in Deutschland wieder aufleben lassen. Bald wird es mehr als 100 für den Gottesdienst genutzte Synagogen in Deutschland geben, während es vor 1933 über 3.000 waren. Die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen und Schulen bleibt also aktuell, wie auch das zunehmende Judenfeindlichkeitsthema in der Gesellschaft.
Kulturelle Gedenkarbeit in Wuppertal
Die Gedenkfeier in Wuppertal war nicht die einzige Veranstaltung zum Gedenken an die Pogromnacht und den Nationalsozialismus. Es sind weitere Veranstaltungen geplant, die das Bewusstsein für die dunkle Vergangenheit schärfen sollen. Kranzniederlegungen durch Goldberg, Scherff, Lindh, Federschmidt und Wolf verdeutlichten den gemeinsamen Willen, die Erinnerung zu wahren und eine gesunde, respektvolle Gesellschaft zu fördern.
Die heutige Gedenkveranstaltung zeigt, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit unabdingbar ist, um die Zukunft zu gestalten. Der 9. November bleibt ein wichtiger Tag in der deutschen Geschichte, der uns alle dazu anregt, wachsam zu sein und für ein gemeinsames, respektvolles Miteinander einzutreten. Die Worte der Anwesenden hallen nach, als sie sich mit der Notwendigkeit auseinandersetzten, aktiv gegen Antisemitismus und Ausgrenzung vorzugehen.