In Deutschland bahnt sich ein bedeutender Schritt im Umgang mit Wölfen an: Das Bundesministerium für Umwelt und das Landwirtschaftsministerium haben eine Vereinbarung getroffen, die den Abschuss von Wölfen unter bestimmten Bedingungen erleichtern soll. Dies ist vor allem darauf ausgerichtet, Weidetiere wie Schafe und Ziegen besser vor Wolfsübergriffen zu schützen. Ein abschließender Beschluss der Bundesregierung steht jedoch noch aus, und die Zustimmung des Bundestages ist erforderlich, bevor diese Regelung in Kraft treten kann, wie Radio Wuppertal berichtet.
In Regionen mit einem hohen Wolfsbestand, in denen Herdenschutzmaßnahmen nicht greifen, könnten Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen umgehen, rechtssicher getötet werden. Dazu gehören Gebiete wie die Alpen oder die Deiche Norddeutschlands. Die Länder sind aufgefordert, die Einzelheiten dieser Regelungen zu konkretisieren. Die Bundesregierung bleibt jedoch auch ihrem Kurs treu, die Schutzmaßnahmen für Weidetiere zu fördern. Dazu zählen finanzielle Hilfen für Zäune und den Einsatz von Hütehunden.
Hintergrund zur Wolfsbestandsentwicklung
Aktuelle Umfragewerte zeigen, dass die Wolfsbestände in Europa in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen sind. 2012 gab es lediglich 11.200 Wölfe, während die Zahl im Jahr 2023 auf über 20.300 angestiegen ist. In Deutschland leben mittlerweile 209 Wolfsrudel, insbesondere in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Die Zunahme der Wölfe hat auch zur Folge, dass die Zahl der Nutztierrisse deutlich angestiegen ist. Allein im Jahr 2024 wurden rund 4.300 Weidetiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von Wölfen gerissen, was die Diskussion um die Abschussregelung weiter anheizt.
Bundesumweltminister Carsten Schneider betont, dass es bei den neuen Regelungen nicht darum geht, die Wölfe zu vertreiben, sondern vielmehr darum, einen Weg zu finden, friedlich mit ihnen zu leben. Sein Kollege, Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, unterstreicht, dass das neue Jagdrecht klare Regeln und Rechtssicherheit schafft. Diese anstehenden Änderungen sind auch durch eine Senkung des Schutzstatus des Wolfs innerhalb der EU von „streng geschützt“ auf „geschützt“ bedingt, was neue Möglichkeiten im Jagdrecht eröffnet.
Finanzielle Anreize und zukünftige Überprüfungen
Im Rahmen der neuen Vorgehensweise prüft die Bundesregierung auch eine Erleichterung der Finanzierung sowie höhere Prämien im Falle von Weidetierrissen. Zudem bleibt der Handel mit Wolfstrophäen und deren Zurschaustellung verboten. Die neuen Vorgaben zur Konfliktbewältigung sollen alle fünf Jahre überprüft werden.
Die anstehenden Gespräche und Beschlüsse bringen frischen Wind in die kontrovers diskutierte Thematik des Wolfsmanagements und könnten künftig entscheidend zur Sicherheit der Weidetiere beitragen und zugleich das Tierwohl der Wölfe berücksichtigen. Spannende Zeiten für die Landwirtschaft in Deutschland und die Naturverbundenheit der Bevölkerung stehen bevor.