Bundeskanzler Friedrich Merz startet am Dienstag seine erste Reise nach China in seiner Amtszeit. Diese Reise kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, da Deutschland sich mit den Herausforderungen einer zunehmend angespannten Handelsbeziehung konfrontiert sieht. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat sich das Handelsbilanzdefizit mit China im Jahr 2025 auf über 87,6 Milliarden Euro erhöht, was um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während Deutschland im Jahr 2025 Waren im Wert von ca. 168 Milliarden Euro aus China importierte – ein Plus von 7,1 Prozent – sanken die Exporte nach China um fast zehn Prozent auf 80,4 Milliarden Euro. Damit fällt China auf Platz sechs der größten Abnehmermärkte deutscher Exporte, hinter Italien. Trotz dieser rückläufigen Entwicklung bleibt China der wichtigste Lieferant für Wareneinfuhr in Deutschland, wie auch Germany Trade & Invest feststellt.
Die Herausforderungen für deutsche Unternehmen
Deutsche Unternehmen klagen über notwendige Anpassungen im Handel. Probleme wie lange Wartezeiten und Unsicherheiten in den Lieferketten belasten insbesondere kleine und mittlere Unternehmen. Viele Firmen berichten von schwierigem Marktzugang und undurchsichtigen Regelungen, die sie gegenüber chinesischen Wettbewerbern benachteiligen. Insbesondere die deutsche Automobilindustrie ist stark von chinesischen Zulieferungen abhängig, vor allem bei Batterien.
Die Abhängigkeit von China wird zusätzlich durch die weltweite Dominanz des Landes in der Verarbeitung seltener Erden deutlich, die mehr als 90 Prozent ausmacht. Die seit April 2025 bestehenden Exportbeschränkungen auf diese Rohstoffe könnten zu weiteren Produktionsstopps in verschiedenen Industrien führen. Daher fordern Experten, die Risiken zu mindern, um zukünftige Kosten zu vermeiden.
Strategische Weichenstellungen
Die Ampel-Regierung hat bereits im Jahr 2023 die China-Strategie ins Leben gerufen, die auf De-Risking abzielt, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Die Forderungen an Merz sind klar: Die Wettbewerbsbedingungen müssen geklärt und Genehmigungsprozesse vereinfacht werden. Der Präsident der deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat betont, dass gleiche Wettbewerbsbedingungen und transparente Exportkontrollen für Rohstoffe dringend notwendig sind.
Die entscheidenden Fragen bleiben: Wie wird Deutschland seine Handelsbeziehungen zu China langfristig stabilisieren? Welche Schritte sind erforderlich, um die Herausforderungen zu meistern? Das Handelsumfeld ist entscheidend, nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die wirtschaftliche Stabilität des Landes. Der Blick auf die Zahlen lehrt uns, dass eine dennoch positive Richtung angestrebt werden muss. So wird prognostiziert, dass in den kommenden Jahren voraussichtlich etwa 87,6 Milliarden Euro an Handelsbilanzdefizit bestehen bleiben werden, sollten sich die Trends nicht ändern.
Lausitzer Weg zur praktischen Lösung wird sich in den Gesprächen Merz‘ in Peking zeigen müssen. Damit Deutsch-Chinesische Beziehungen nicht den Anschluss verlieren, bedarf es kreativer und pragmatischer Lösungen im Rahmen der globalen und nationalen Herausforderungen.