Am Freitagabend, dem 8. November 2025, versammelten sich rund 30 Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Schlosskirche in Bad Dürkheim, um der Reichspogromnacht zu gedenken. Die Veranstaltung, organisiert von der Evangelischen Jugendzentrale Bad Dürkheim in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde, stand unter dem Motto „Geschichte erleben“. Dieses Gedenken richtete sich besonders an die schrecklichen Geschehnisse, die sich in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 abspielten, als unzählige Synagogen brannten und jüdische Geschäfte verwüstet wurden.

Die Reichspogromnacht war nicht nur ein Angriff auf jüdische Heiligtümer, sondern auch der Beginn einer offenen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland. Hunderte Menschen kamen ums Leben, Zehntausende wurden verhaftet, und die Zerstörung jüdischen Eigentums war weitreichend. Historiker sprechen von über 1.500 Todesopfern, während die offizielle Zahl bei 91 lag. In den darauf folgenden Jahren wurde das Leben für die jüdische Bevölkerung in Deutschland immer unerträglicher.

Ein bleibendes Gedächtnis

Die Gedenkveranstaltung in Bad Dürkheim war Teil eines größeren kollektiven Gedächtnisses, das in Deutschland bis heute nachwirkt. So war es Bundeskanzler Helmut Schmidt, der am 10. November 1978 als erster Politiker öffentlich der Reichspogromnacht gedachte. Seine Ansprache war der Beginn einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Schrecken des Nationalsozialismus und dem damit verbundenen Antisemitismus. Zehn Jahre später versuchte Bundestagspräsident Philipp Jenninger, die Pogrome in einem historischen Kontext zu erörtern, was zu Kontroversen und Diskussionen führte.

Die Ereignisse der Reichspogromnacht markieren einen Wendepunkt in der Geschichte, der nicht in Vergessenheit geraten darf. Am 7. November 1938 stellte sich der jüdische Jugendliche Herschel Grynszpan gegen die erlittene Ungerechtigkeit und verletzte einen deutschen Diplomaten, was die Nationalsozialisten als Vorwand nutzten, um organisierte Gewalt gegen die jüdische Gemeinschaft auszuüben. Propagandaminister Joseph Goebbels ermutigte die Bevölkerung zu „spontanen“ Demonstrationen, die sich als brutale Angriffe entpuppten.

Die Folgen für die jüdische Gemeinschaft

Die Zerstörung von Synagogen und die Plünderung von mehr als 7.500 jüdischen Geschäften waren nur einige der niederträchtigen Taten, die das Gesicht Deutschlands für immer veränderten. Es ist wichtig zu betonen, dass der Großteil der Zivilbevölkerung die Gewalt zwar ablehnte, jedoch etwa 10% aktiv an den Übergriffen teilnahmen. Für viele jüdische Menschen war die Reichspogromnacht der Anfang vom Ende: Bis zum Jahr 1938 waren sie bereits von Grundrechten und wirtschaftlichem Leben ausgeschlossen. Die internationale Gemeinschaft sah zu, während viele Juden keine Möglichkeit hatten, aus Deutschland zu fliehen.

Nach den Ereignissen stieg die Suizidrate in der jüdischen Gemeinschaft, und die systematische Diskriminierung wurde immer brutaler. Die NS-Regierung stellte die jüdische Bevölkerung zunehmend vor enorme Hürden, die das tägliche Leben unmöglich machten. Der Umgangston wurde rauer, und die gesellschaftliche Akzeptanz für die Verfolgung nahm zu, was auch die Bedeutung von Gedenkveranstaltungen wie der in Bad Dürkheim unterstreicht.

In diesem Sinne bleibt es entscheidend, sich an die Vergangenheit zu erinnern und sich für eine Zukunft ohne Diskriminierung und Gewalt stark zu machen. Denn nur so wird der Geist von „Geschichte erleben“ zu einem Teil der gesellschaftlichen Identität und des kollektiven Gedächtnisses. Das Gedächtnis an die Reichspogromnacht, so schmerzhaft es auch sein mag, ist eine essenzielle Komponente der deutschen Geschichte, die auch zukünftige Generationen etwas lehrt.

Für mehr Informationen über die Reichspogromnacht und ihr Erbe, können Sie Rheinpfalz, SWR und bpb besuchen.