In Deutschland kämpfen Unternehmen zunehmend mit einem wachsenden Berg an Vorschriften und Auflagen, die sowohl aus dem Arbeitsrecht als auch dem Umwelt- und Baurecht stammen. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass die Bürokratie nicht nur kleine und mittelständische Unternehmen, sondern auch ausländische Investoren abschreckt. Laut einer Veröffentlichung von Creditreform, die sich auf die „Wachstumsagenda für Deutschland“ stützt, nehmen neue Regulierungen jährlich zu, während bestehende Regelungen nur selten abgeschafft werden. Diese Auflagen stellen eine enorme Hürde dar, die es Firmen erschwert, sich im Markt zu behaupten, und dazu führt, dass 95 Prozent der Unternehmen einen Abbau bürokratischer Belastungen als höchste Priorität ansehen.

Das Bundesjustizministerium spricht von einem “Bürokratie-Burnout”, was die Bedenken der Wirtschaft unterstreicht. Immerhin setzen 75 Prozent der Gründer auf einfachere und schnellere Regularien. Die Bürokratiekosten haben sich zwischen 2015 und 2022 auf durchschnittlich 146 Milliarden Euro pro Jahr belaufen und damit etwa vier Prozent des Bruttoinlandprodukts ausgemacht. Diese Zahlen verdeutlichen den negativen Einfluss von Bürokratie auf die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft der Unternehmen.

Entlastungsoffensive der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat mittlerweile reagiert und ein Entlastungskabinett ins Leben gerufen, das von der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche geleitet wird. Im Rahmen dieses Kabinetts wurden Maßnahmen im Wert von 157 Millionen Euro entschieden, um die Bürokratie zu reduzieren. Ziel ist es, den Unternehmen die Last von überflüssigen Berichtspflichten zu nehmen. So wurde unter anderem die Pflicht zur regelmäßigen Weiterbildung von Immobilienmaklern aufgehoben und die Berichtspflichten für Betreiber von Übertragungsnetzen reduziert.

Das Engagement für einen Bürokratieabbau wird durch 51 geplante Maßnahmen unterstrichen, wobei das Bundeswirtschaftsministerium für zehn Projekte verantwortlich ist. Die Regierung strebt zudem eine neue „Kultur der legislativen Zurückhaltung“ auf EU-Ebene an, um die Regelungsflut künftig nur in dringenden Fällen zu adressieren. Dies könnte dazu beitragen, dass vor allem kleine und mittlere Unternehmen langfristig aufatmen können.

Investitionsklima im Fokus

Die steigenden Bürokratiekosten und die damit verbundenen Herausforderungen hemmen nicht nur Investitionen, sondern schränken auch das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft ein. Dies macht eine grundlegende Reform der Regulierungspolitik notwendig, damit Unternehmen wieder ein gutes Geschäft machen können. Experten sehen einen klaren Handlungsbedarf: Die Komplexität der Regelungen schreckt ausländische Investoren ab, die notwendige Kapitalzuflüsse für die deutsche Wirtschaft bringen könnten. Nur durch umfassende Maßnahmen zur Entbürokratisierung kann der Wirtschaftsstandort Deutschland auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben.

In diesem Sinne ist auch der Umgang mit dem deutschen Lieferkettengesetz sowie anderen kritischen Regelwerken wie der EU-Taxonomie und der geplanten CSDDD von zentraler Bedeutung. Die Bereinigung dieser Vorschriften könnte einen entscheidenden Schritt in Richtung eines investitionsfreundlicheren Klimas darstellen, das sowohl inländischen als auch ausländischen Unternehmen zugutekommt.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit die initiierten Reformen Wirkung zeigen und die versprochenen Entlastungen tatsächlich spürbar werden. Doch fest steht: Das Thema Bürokratieabbau hat für viele Unternehmen oberste Priorität, um die Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten globaler Herausforderungen wiederherzustellen.

Für weiterführende Informationen und Hintergründe besuchen Sie die Artikel von Creditreform, Newsweek sowie Bundeswirtschaftsministerium.