Im Donnersbergkreis ist eine israelische Familie gestrandet, die nicht nach Hause zurückkehren kann. Nadia (59), Lana (33) sowie die fünfjährigen Zwillinge Maya und Magd hatten am 25. Februar eine Reise nach Brüssel unternommen, um eine weitere Schwester zu besuchen. Geplant war eine Rückkehr nach einer Woche, doch nach nur drei Tagen in Europa eskalierte der Konflikt im Nahen Osten. Dies führte zur Stornierung ihres Rückflugs, da zahlreiche Lufträume über der Region gesperrt wurden. Die Familie fühlt sich zwar in Deutschland wohl, ist jedoch emotional stark mit ihren Angehörigen in Israel verbunden.
Die ersten Tage ihres Aufenthalts waren noch von Normalität geprägt, bis die Nachrichten über den Krieg sie erreichten. Während die Kinder sich der Gefahren in ihrer Heimat nicht bewusst sind, bemühen sich die Erwachsenen, ein Gefühl von Alltagsroutine aufrechtzuerhalten. In Israel erlebte die Familie vor anderthalb Jahren Raketenangriffe in der Nähe der libanesischen Grenze. Aufgrund der unsicheren Lage mussten sie in einen Kellerraum umziehen, da es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Schutzraum gab. Im Alltag nutzen die Menschen in Israel eine Frühwarn-App, die sie vor Angriffen warnt, wobei sie nur 15 Sekunden haben, um einen Schutzbunker zu erreichen.
Trauma und Unsicherheit
Der Schulunterricht in Israel findet aufgrund der ständigen Alarme nur online statt, und auch die Kindergartenangebote sind digital zugänglich. Lana und Nadia gehören zu den Menschen in systemrelevanten Berufen, die trotz der Gefahr in ihren Jobs bleiben, jedoch an sichere Einsatzorte versetzt werden. Die Kinder zeigen bereits Anzeichen von Trauma, so fragt Magd während des Flugs nach einem Schutzraum. Sie und ihre Schwester Maya haben regelmäßigen Kontakt zu ihrem Vater in Israel, wobei Maya ihn stark vermisst und Magd sich nach der Sicherheit zu Hause erkundigt.
In Deutschland unternimmt die Familie verschiedene Aktivitäten, um die Kinder abzulenken, während sie gleichzeitig besorgt um die Situation in ihrer Heimat sind. Sie beobachten die Flugrouten und suchen nach einer Möglichkeit, sicher über Athen zurückzukehren. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, eine Pause vom Krieg zu erleben und auf eine dauerhafte Lösung des Konflikts zu hoffen. Die Situation ist nicht nur für sie belastend, sondern betrifft viele Familien in der Region.
Psychologische Auswirkungen auf Kinder
Die SOS-Kinderdörfer berichten von schwerwiegenden psychologischen Folgen des Konflikts für Kinder auf beiden Seiten der Grenze. Eine ganze Generation wird traumatisiert. Kinder und Jugendliche in Gaza leiden unter Ängsten, Schlafproblemen, Unruhe, Depressionen und sozialen Auffälligkeiten. Die größte Sorge der Kinder in Gaza ist der Verlust von Eltern, Geschwistern oder Freunden. Bis zum 10. November 2023 wurden in Gaza über 11.000 Menschen getötet, darunter über 4.500 Kinder; 4.400 Kinder gelten als vermisst.
In Israel haben Kinder ebenfalls mit psychologischen Problemen wie Stress und Angst zu kämpfen. Sie haben Furcht vor einer Ausweitung des Krieges und erleben Alpträume sowie zwanghafte Gedanken. Unter den geschätzten 1.200 Toten in Israel sind mindestens 31 Kinder, und 30 Kinder werden unter den israelischen Geiseln der Hamas vermutet. Kinder auf beiden Seiten benötigen dringend psychologische Unterstützung, und die SOS-Kinderdörfer bieten Therapien und Achtsamkeits-Trainings an, um den Kindern Ablenkung zu bieten.
Psychologen warnen vor der Gefahr, dass sich Traumata verfestigen und zu lebenslangen Problemen führen. Eine der wichtigsten Maßnahmen für Kinder wäre, ein Gefühl von Sicherheit zurückzugewinnen, was jedoch durch anhaltende Gefechte unmöglich ist. Die Organisation SOS-Kinderdörfer setzt sich weltweit für Kinder, Jugendliche und Familien ein, unabhängig von Staatsangehörigkeit, Hautfarbe, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit, und wird ihre Arbeit in der aktuellen Situation fortsetzen.
Für die Familie aus Israel im Donnersbergkreis bleibt die Hoffnung auf Normalität und Sicherheit eine zentrale Herausforderung, während sie sich in einer fremden Umgebung aufhalten und sich um ihre Liebsten in der Heimat sorgen. Die Situation ist ein eindringliches Beispiel für die weitreichenden Auswirkungen von Konflikten auf das Leben von Familien und insbesondere von Kindern.