Die Schwanen-Apotheke in Weingarten, die seit fast 140 Jahren eine feste Größe in der Region ist, hat in diesen Tagen ihre Pforten endgültig geschlossen. Die Inhaberin hat Insolvenz angemeldet und setzt damit einen traurigen Punkt hinter die Erfolgsgeschichte einer Apotheke, die 1887 gegründet wurde. Apotheker Hans-Peter Speicher, der zusammen mit seiner Frau Maria die Apotheke seit 1985 führte, ist über diesen Schritt sichtlich betroffen. Über vier Jahrzehnte lang war die Schwanen-Apotheke ein vertrauter Anlaufpunkt für die Bürger der Gemeinde, nun ist sie seit mehr als drei Monaten geschlossen.
Die Schließung der Schwanen-Apotheke ist symptomatisch für die Krise, die die deutsche Apothekenlandschaft derzeit durchlebt. Ein Grund dafür sind die stetig steigenden Kosten, die den Betrieben stark zusetzen. Der aktuelle Trend ist besorgniserregend: Mehr als 300 Apotheken haben in diesem Jahr bereits ihre Pforten dichtgemacht, darunter viele traditionsreiche Betriebe wie die Schwanen-Apotheke. Betriebswirt Peter Herrmann berichtet, dass einige Apotheken von Umsatzrückgängen von bis zu 40 Prozent betroffen sind, was insbesondere die Motivation der Apotheker untergräbt, die seit über einem Jahrzehnt auf eine Gehaltserhöhung warten.
Krise der Apotheken
Eine wesentliche Verschärfung der Lage bringt die Einführung des E-Rezepts mit sich. Technische Pannen und Montagetricks beim neuen System überfordern nicht nur die Apotheker, sondern führen auch zu erheblichen finanziellen Verlusten. Ein einzelner Apotheker meldete gar einen Verlust von 300.000 Euro aufgrund eines fehlerhaften Software-Updates. Diese Umstellung hat in vielen Fällen zu einer „gravierenden Umsatzumverteilung“ geführt, von der vor allem verkehrsgünstig gelegene Apotheken profitieren, während solche in Wohngebieten stark unter Druck geraten.
Einen weiteren besorgniserregenden Punkt stellt die sinkende Anzahl an Apotheken in Deutschland dar. Aktuell gibt es lediglich noch 16.908 Apotheken, was einem Rückgang von 21 Prozent seit 2008 entspricht, wie die Apotheken Umschau berichtet. Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr: Seit 2014 haben steigende Sachkosten um 47 Prozent und nur eine mäßige Anpassung der Vergütung für rezeptpflichtige Medikamente um 13 Prozent die Situation verschärft. Dies führt nicht nur zu finanziellen Engpässen, sondern auch zu Lieferengpässen bei Medikamenten.
Politische Forderungen und Ausblick
Politische Akteure wie Thomas Preis, Präsident der ABDA, fordern vehement Änderungen, um die Zukunft der Apotheken zu sichern. Preis verlangt eine Erhöhung des Honorars auf 9,50 Euro, was einen ersten Schritt zur Stabilisierung der Branche darstellen könnte. Die neue Bundesregierung plant zumindest, die Pauschale für rezeptpflichtige Medikamente von 8,35 Euro auf 9,50 Euro anzuheben und auch ländliche Apotheken besser zu fördern.
Doch die Herausforderungen sind gewaltig. Immer mehr Apotheker müssen sich neuen Perspektiven in der Industrie oder im Krankenhaus zuwenden, weil die Attraktivität des Berufs in Frage steht. Die Notwendigkeit, in der Arzneimittelversorgung nicht zu sparen, wird von DAV-Chef Hans-Peter Hubmann betont, der auf eine zügige Umsetzung von Plänen der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken drängt.
Die Schwanen-Apotheke ist nicht nur der Verlust eines Geschäftes, sondern auch ein Zeichen für die sich verändernden Rahmenbedingungen in der Gesundheitsversorgung. Es bleibt abzuwarten, wie Politik und Gesellschaft auf diese Entwicklung reagieren werden, um die Zukunft der Apotheken zu sichern.