In der letzten Zeit hat sich die Debatte um Bettelverbote in Europa intensiviert. Ein aktueller Vorstoß kommt aus Kaiserslautern, wo die CDU eine Bettelsperrzone einführen möchte. Die Idee stößt auf heftige Kritik, insbesondere von den Kirchen. So bezeichnete Martin Bock, der Vorsitzende der katholischen Stadtdekanats, die Pläne als „ziemlich unchristlich“ und warnte vor einer weiteren Marginalisierung von bereits benachteiligten Menschen. Diese Position kritisiert die Schaffung eines gesellschaftlichen Klimas, das den Bedürftigen das Leben erschwert (rheinpfalz.de).
Die Hintergründe hinter solchen Regelungen sind vielschichtig. In Luxemburg beispielsweise wurde im Dezember 2023 ein strenges Bettelverbot verhängt, das weite Teile der Innenstadt betrifft. Bürgermeisterin Lydie Polfer sieht in diesem Verbot einen Erfolg im Kampf gegen „organisierte Banden“ und aggressive Bettler. Verstoßen hängt dabei eine Strafe von bis zu 250 Euro in der Luft; bei „bandenmäßigem Betteln“ droht sogar Gefängnis (tagesschau.de). Damit wird deutlich, dass Länder in Europa stark unterschiedliche Ansätze im Umgang mit Betteln verfolgen.
Bedeutung von Armut und Obdachlosigkeit
Obdachlose Menschen, wie der 41-jährige David aus Tschechien, berichten von einer Verdrängung aus den geschützten Zonen der Innenstädte. Sie werden in weniger frequentierte Gegenden gedrängt. Auch wenn die Polizei das Verbot kontrolliert, wurden bisher keine Geldstrafen gegen Bettler verhängt. Kritiker sehen das Bettelverbot nicht nur als unzureichenden Ansatz, sondern als einen Versuch, Armut zu verstecken. Denn trotz des hohen Wohlstands in Luxemburg sind über 20 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Die Organisation Stëmm vun der Stross versorgt täglich etwa 450 bedürftige Menschen mit warmen Mahlzeiten und bietet weitere Unterstützungen an. Obwohl die Stadt Hilfsangebote bereitstellt, bleiben viele Fragen zur Langfristigkeit dieser Maßnahmen offen (sueddeutsche.de).
Die neue rechts-liberale Regierung in Luxemburg zeigt damit, wie man mit der Thematik umgeht. Nach dem Regierungswechsel im Oktober 2023 wurde das ursprüngliche Veto der Innenministerin Taina Bofferding, das die Einführung solcher Verbotsmaßnahmen verhinderte, aufgehoben. Innenminister Léon Gloden betrachtet die Angelegenheit juristisch und hofft, durch neue Verordnungen die Herausforderungen zu lösen. Doch nicht alle sind mit dieser Sichtweise einverstanden; Kritiker betonen, dass ein solches Verbot mehr Probleme schafft als es löst und letztlich symbolische Politik darstellt.
Die Debatte über Bettelverbote spiegelt nicht nur lokale politische Kämpfe wider, sondern beleuchtet auch tiefere gesellschaftliche Fragen zu Armut, Unterstützungssystemen und dem Umgang mit den Schwächeren in unserer Gesellschaft. Egal ob in Kaiserslautern oder Luxemburg – eines bleibt klar: Es gibt keine einfache Lösung für ein so komplexes Problem.