In Ludwigshafen am Rhein wird Alojzije Stepinac, ein bedeutender römisch-katholischer Theologe und Kardinal, von der kroatischen Gemeinde hoch verehrt. Geboren 1898 in der Nähe von Zagreb, trat er zeitlebens für den katholischen Glauben ein und wurde ein wichtiger Fürsprecher für die Verfolgten während der schweren Zeit eines atheistischen kommunistischen Regimes. Sein Wahlspruch „Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt“ spiegelt seine tiefe Religiosität wider. Stepinac wurde 1946 in einem umstrittenen Schauprozess zu sechzehn Jahren Haft verurteilt und starb am 10. Februar 1960. Er gilt als Märtyrer und Patron der kroatischen Gemeinde in Deutschland, was sich in dem gut besuchten Festgottesdienst zu seinem Gedenktag im Februar zeigt (Quelle).
Stepinac, der als einer der Besten des Jahrhunderts von Bischof Emanuel bezeichnet wurde, lebte in einer Zeit großer Umwälzungen. Nach seinem Theologiestudium in Rom und der Priesterweihe im Jahr 1930 wurde er 1934 durch Papst Pius XI. zum Erzbischof von Zagreb ernannt. In dieser Rolle gründete er 1931 die Diözesan-Caritas im Erzbistum Zagreb und setzte sich aktiv für die Bedürftigen ein. Seine frühe Karriere war geprägt von der Unterstützung der katholischen Kirche in einem zunehmend schwierigen politischen Klima, das mit dem Aufstieg der Ustascha und der Besatzungsmächte während des Zweiten Weltkriegs einherging (Quelle).
Die Rolle Stepinacs während des Zweiten Weltkriegs
Die Rolle von Stepinac während des Zweiten Weltkriegs ist kontrovers. Er wurde sowohl als Retter verfolgter Juden angesehen, als auch als Unterstützer des Ustascha-Regimes, das für zahlreiche Gräueltaten verantwortlich war. Trotz dieser ambivalenten Haltung veröffentlichte Stepinac 1941 einen Hirtenbrief, in dem er das neue Regime unterstützte, allerdings äußerte er sich später kritischer, insbesondere gegen die antisemitischen Gesetzgebungen. Er intervenierte für Juden und organisierte Hilfsaktionen für Verfolgte sowie für verwaiste Kinder. Dennoch blieb seine Unterstützung des Ustascha-Regimes nicht unbemerkt und führte zu Vorwürfen der Kollaboration während der Nachkriegszeit (Quelle).
Nach dem Krieg übernahmen kommunistische Partisanen die Macht in Jugoslawien. Stepinac wurde 1945 verhaftet, aber zunächst freigelassen. Im Jahr 1946 wurde er erneut festgenommen und nach einem umstrittenen Prozess, der international kritisiert wurde, zu sechzehn Jahren Haft verurteilt. Papst Pius XII. bezeichnete den Prozess als „tristissimo processo“. Stepinac lehnte ein Angebot ab, das Land zu verlassen, und blieb in Kroatien, wo er bis zu seinem Tod unter Hausarrest lebte. 1953 erhielt er die Kardinalswürde, was zu diplomatischen Spannungen zwischen Jugoslawien und dem Vatikan führte (Quelle).
Verehrung und Seligsprechung
Alojzije Stepinac starb am 10. Februar 1960 in Krašić, und sein Grab in der Kathedrale von Zagreb ist bis heute ein Ort der Pilgerfahrt. Die Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 1998 war umstritten und wurde von der serbisch-orthodoxen Kirche kritisiert. Die ökumenische Dialogkommission von 2016-2017 konnte keine Einigung erzielen, und die Debatte über Stepinacs Rolle während des Krieges und die Relevanz seines Erbes dauert bis heute an. Kritiker befürchten, dass seine Seligsprechung gesellschaftliche Spannungen zwischen Kroaten und Serben verstärken könnte. Dennoch bleibt Stepinac ein Symbol der Hoffnung und des Glaubens für viele Kroaten, die in Deutschland leben (Quelle).
In der kroatischen Gemeinde in Ludwigshafen und darüber hinaus bleibt die Erinnerung an Alojzije Stepinac lebendig. Seine Geschichte ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Glauben und die Herausforderungen, mit denen Gläubige in schwierigen Zeiten konfrontiert werden können.