Der sportliche Herbst bringt nicht nur spannende Spiele mit sich, sondern auch immer wieder unnötige Eskalationen, die das Fußballerlebnis stark trüben. Gestern, am 28. November 2025, waren die Nachrichten von der Conference League nicht gerade erfreulich für die Fans des FSV Mainz. Die Mannschaft verlor in Craiova mit 0:1, ein weiteres Tor wäre hier mehr als willkommen gewesen. Doch nicht nur das Spiel sorgte für Gesprächsstoff.
Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Fans des VfB Stuttgart gelegt, die sich auf den Weg nach Deventer gemacht hatten. Dort gewann der VfB in einem überzeugenden Spiel gegen die Go Ahead Eagles mit 4:0. Doch vor dem Anpfiff kam es zu einem Vorfall, der die Stimmung deutlich trübte. Behörden sprachen ein Betretungsverbot für drei Fanbusse aus, nachdem einige Fans sich am sogenannten „Fan Meeting Point“ aggressiv verhalten haben sollen. Dieses Verhalten wurde von den Vertretern des VfB, die vor Ort waren, allerdings nicht bestätigt, wie kicker.de berichtet.
Die Rückreise der Fans
In der Folge traten zahlreiche Fans die Rückreise an. Diese unerfreuliche Wendung sorgte für Unmut bei den VfB-Verantwortlichen, allen voran bei Alexander Wehrle, dem Vorstandschef des VfB. Er kündigte an, bei der UEFA und den niederländischen Behörden Protest einzulegen. Die Behörden rechtfertigten ihre Maßnahmen mit dem Verweis auf angebliches aggressives Verhalten der Fans. Augenzeugen berichten zudem von Polizeigewalt beim Aussteigen aus den Bussen, was die Situation zusätzlich aufheizte. Moritz Bäcker, ein Teil der Stuttgarter Fangemeinde, sprach von einer „schwarzen Stunde“ im Zusammenhang mit dem Geschehen vor Ort.
Die Vorfälle in Deventer sind nicht isoliert, sondern Teil eines größeren Problems, das die Fanszene derzeit in Deutschland beschäftigt. Laut Deutschlandfunk Nova nehmen die Gewaltexzesse bei Fußballspielen insgesamt zu. Allein im November gab es in Frankfurt über 200 Verletzte bei Ausschreitungen. Es sind nicht nur Krawalle zwischen rivalisierenden Fangruppen, sondern auch vermehrte Konflikte zwischen Fans und Polizei, die die Situation anheizen.
Was sind die Ursachen?
Einzig die Polizei weiß oft nicht, wie sie mit diesen zunehmenden Spannungen umgehen soll. Der Fanforscher Harald Lange betont, dass die Polizei eine Mitschuld an dieser Eskalation trägt. Oftmals wird bei Spielen ein erhöhtes Aufgebot an Polizeikräften angeordnet, die dann teils auch mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen ganze Fanblöcke vorgehen. Diese Maßnahmen führen nicht nur zu einem angespannten Klima, sondern auch dazu, dass sich Fans solidarisch zusammenschließen und die Gewaltspirale weiter anheizt.
Die Forderungen nach härteren Maßnahmen, wie etwa mehr Videoüberwachung in Stadien, werden lauter. Die Bundesinnenministerin denkt bereits über strengere Strafen für Pyrotechnik nach. Doch Experten plädieren für eine nüchterne Analyse und Selbstkritik seitens aller Beteiligten. Denn die wiederkehrenden Vorfälle zeigen: Mehr Härte auf Seiten der Polizei wird das Gewaltproblem nicht lösen, da liegt gewiss etwas im Argen.
In der sportlichen Welt wird deutlich, dass die Tabellensituation und die Punkte nicht die einzigen Herausforderungen sind, denen sich die Teams und vor allem die Fanbases stellen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen einen Weg finden, um das Fußballerlebnis wieder in den Vordergrund zu stellen und die Gewalt hinter den Stadionmauern zu lassen.