Im kleinen Bingen am Rhein wird momentan eine brisante Gerichtsverhandlung gegen eine Mutter und ihren Sohn ausgefochten, die beide wegen illegaler Aktivitäten im Arzneimittelbereich angeklagt sind. Die 74-jährige Frau und ihr 42-jähriger Sohn waren als Geschäftsführer von zwei Labors tätig und sollen zwischen Februar 2018 und Mai 2019 in über 50 Fällen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben, berichtet SWR.
Die beiden Angeklagten haben mit der Herstellung und dem Verkauf von xenogenen Organextrakten, die aus tierischem Gewebe gewonnen werden, ein lukratives, jedoch höchst fragwürdiges Geschäft betrieben. Diese Produkte finden häufig Anwendung bei Heilpraktikern und Ärzten zur Stärkung des Immunsystems. So weit, so gut – doch die Staatsanwaltschaft hat ihre Zweifel an der Wirksamkeit dieser Mittel, da sie wissenschaftlich nicht bewiesen ist und sogar Verdacht auf Schädlichkeit besteht.
Die schwerwiegenden Vorwürfe
Die Anklage wirft der Mutter und ihrem Sohn vor, Medikamente ohne die notwendige behördliche Genehmigung hergestellt und verkauft zu haben. Besonders ins Gewicht fällt die Täuschung, dass diese Produkte individuell für Patienten entwickelt wurden. In Wahrheit seien allerdings keine Therapeuten in die Prozesse involviert gewesen; die Medikamente wurden einfach verkauft, ohne jegliche Rücksicht auf die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Der Wert der illegal produzierten Medikamente wird auf etwa vier Millionen Euro geschätzt. Dies gibt einen kleinen Einblick in das Ausmaß der Operation, die nun vor Gericht kommt. Den Angeklagten drohen, sollte sich die Anklage bewahrheiten, Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren.
Der Prozessverlauf
Die Verhandlungen haben bereits begonnen und sind bis Ende November angesetzt. Es bleibt abzuwarten, wie die Beweislage die Münzen des Gerichtes beeinflussen wird.
In der allgemeinen Diskussion über medizinische Produkte und deren Zulassungen stellt dieser Fall das Vertrauen in die Branche infrage. Die rechtlichen Schritte sind eine Erinnerung daran, dass es wichtig ist, bei solchen Themen immer ein gutes Händchen zu haben und auf Qualität zu achten.
Die Angeklagten standen in der Anfangsphase des Prozesses zur Verfügung und haben ihren Standpunkt verteidigt, dennoch bleibt die Öffentlichkeit gespannt, wie sich die Dinge entwickeln werden.
Ein solcher Fall zeigt eindrucksvoll, dass man in der Welt der Medikamente nicht immer einfach ein gutes Geschäft machen kann, vor allem nicht, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen außer Acht gelassen werden. Auch wenn es manchmal verlockend erscheint, Risiken einzugehen, sollte man immer darauf achten, was wirklich auf dem Spiel steht – denn bei der Gesundheit hört der Spaß auf.