In den letzten Jahren haben immer mehr Städte in Deutschland innovative Konzepte entwickelt, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Besonders auffällig ist das Schwammstadtkonzept, das darauf abzielt, Regenwasser nicht in die Kanalisation abzuleiten, sondern vor Ort zu speichern, versickern oder verdunsten zu lassen. Zu den Städten, die bereits auf dieses Konzept setzen, gehören Berlin, Hamburg, Münster, Düsseldorf, Leipzig, Cottbus, Halle, Trier und Neustadt an der Weinstraße. Ziel ist es, Starkregenereignisse aufzufangen, Überschwemmungen zu verhindern und in Trockenzeiten Wasser zur Verfügung zu stellen. Wie genau das funktioniert, wird durch verschiedene Maßnahmen ermöglicht.
Eine zentrale Maßnahme ist die Speicherung von Regenwasser in Sickergruben, Regengärten und speziellen Kanälen. Auch die Entsiegelung und Begrünung von Bodenflächen und Dächern spielt eine wichtige Rolle. Zudem werden große Baumscheiben mit Baumrigolen angelegt, die das Wasser speichern können, während die Pflanzung von Bäumen, die große Mengen Wasser aufnehmen und verdunsten, das Mikroklima verbessern soll. Ein Beispiel für die praktische Umsetzung ist das Projekt „Leipziger BlauGrün“, das am ehemaligen Eutritzscher Freiladebahnhof realisiert wird und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Dr. Roland Müller hat in diesem Zusammenhang die Wassermengen ermittelt, die das Quartier aufnehmen und abgeben kann. Die Fertigstellung dieses Schwammstadtviertels ist bis 2030 geplant.
Handwerksbedarf und finanzielle Anreize
Der Umbau bestehender, dicht bebaute Siedlungen in Schwammstädte erfordert jedoch umfangreiche Handwerksleistungen. Das Umweltbundesamt hat in einem Bericht für 2024 einen zusätzlichen Fachkräftebedarf in Bau- und Ausbauberufen identifiziert, der für Klimaanpassungsmaßnahmen notwendig ist. Auch der Rückbau von Schottergärten und die Entsiegelung von Flächen sind wichtige Aufgaben, die Handwerker übernehmen müssen. Städte beginnen zudem, das Einleiten von Niederschlagswasser in das Kanalsystem per Satzung zu beschränken.
Finanzielle Anreize werden auf kommunaler Ebene angeboten. So fördert Düsseldorf seit 2016 die Begrünung privater Flächen im Rahmen des Programms „DAFIB“. Köln übernimmt 50% der Kosten für den Rückbau von Schottergärten im Programm „GRÜN hoch 3“. Der Rückbau und die Begrünung versiegelter Flächen sind nicht nur umweltfreundlich, sondern tragen auch zur Verbesserung der Lebensqualität in Städten bei.
Politische Rahmenbedingungen und Forschung
Die Bundesregierung hat zudem die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) entwickelt, die einen politischen Rahmen für die Anpassung an den Klimawandel schafft. Diese Strategie ermöglicht eine sektorenübergreifende Vorgehensweise und wird regelmäßig durch Fortschrittsberichte fortgeschrieben. Der dritte Monitoringbericht 2023 zur DAS informiert über die Klimafolgen und bereits umgesetzte Gegenmaßnahmen in Deutschland. In diesem Kontext wird auch die Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 betrachtet, die 102 Klimawirkungen und 13 Handlungsfelder untersucht.
Ein Forschungsvorhaben zur grünen Infrastruktur in Städten entwickelt Konzepte zur Integration in die Stadtentwicklung. Eine Praxishilfe zur Anpassung von Siedlungsstrukturen an den Klima- und demografischen Wandel bietet einen „Werkzeugkasten“ für strategischen Siedlungsrückzug. Dies zeigt, dass die Schwammstadt nicht nur ein Konzept ist, sondern ein dynamischer Prozess, der Offenheit und Experimentierfreude erfordert.
Die Zukunft der Schwammstadt
Ursprünglich in Asien als „Sponge City“ entwickelt, hat sich das Schwammstadtkonzept in Deutschland, Österreich und der Schweiz etabliert. Es betrachtet Wasser als Ressource, die in der Stadt zirkuliert, anstatt sie schnell abzuleiten. Angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel, wie Starkregen, Hitzewellen und urbane Überflutungen, sind Schwammstadtkonzepte notwendiger denn je. Herkömmliche Entwässerungssysteme sind oft überlastet, was zu Schäden an der Infrastruktur und einer Verschlechterung der Lebensqualität führt.
Umso wichtiger ist die Verwendung durchlässiger Materialien, wie durchlässige Pflastersteine und offenporige Betone, die entscheidend für die Wasseraufnahme und -speicherung sind. Erfolgreiche Schwammstadtprojekte, wie die „Blue-Green-Streets“ in Hamburg oder urbane Retentionslandschaften in Wien, zeigen, wie innovative Planung und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu resilienten Infrastrukturen führen können. Die Herausforderungen bleiben jedoch, und es bedarf einer aktiven Auseinandersetzung mit Bürokratie, Zuständigkeitsfragen und rechtlichen Unsicherheiten.
Es ist klar, dass die Schwammstadt nicht nur eine Vision ist, sondern ein aktives Konzept, das die Städte der Zukunft prägen wird. Die Integration von Wasser in die Stadtentwicklung kann nicht nur zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen, sondern auch neue soziale Räume schaffen und die Resilienz der Städte gegenüber den Folgen des Klimawandels stärken.
Für weitere Informationen zu Schwammstadtkonzepten und deren Umsetzung können Sie die detaillierten Berichte des Handwerksblatts, des Umweltbundesamtes sowie der Garten- und Landschaftsseite besuchen.