In Rheinland-Pfalz und dem Saarland liegt die Kneipenkultur im Abwärtstrend, besonders im ländlichen Raum. Doch wie das Beispiel des „Bierstübchens“ in Mainz zeigt, gibt es auch Lichtblicke, die Hoffnung machen. Die Kneipe wurde von drei Freunden zwischen 28 und 44 Jahren übernommen, die mit frischem Elan und einem erhöhten Getränkeangebot aufwarten. Seit etwa eineinviertel Jahren öffnet das „Bierstübchen“ jeden Samstag und zieht eine bunte Mischung aus Studierenden, Rentnern, Flusskreuzfahrt-Touristen und Flugzeugbesatzungen an. Daniel Sieben, einer der neuen Betreiber, hat zuvor Kneipen-Events organisiert und ist nun mit seinem Team gut aufgestellt, unterstützt von 15 Helfern, darunter auch Minijobber und Werkstudenten.
Wie n-tv berichtet, hat die Übernahme der Kneipe mit der Vermessung des Tresens begonnen. Um die Stammgäste nicht zu vergraulen, hielt man die Umbaumaßnahmen im Innenraum eher gering. Angesichts des schleichenden Kneipensterbens in der Region zeigen solche Initiativen, dass man der Schließungswelle mit Kreativität und Engagement entgegentreten kann. Gereon Haumann, Präsident des Gaststättenverbands Dehoga Rheinland-Pfalz, unterstreicht die Rolle von Kneipen als öffentliche Wohnzimmer, die für den sozialen Zusammenhalt unverzichtbar sind.
Rettungsversuche von Kneipen
Die Kneipensterben-Problematik ist in den letzten Jahren immer drängender geworden. Allein im Jahr 2022 haben rund 500 Gaststätten in Rheinland-Pfalz ihre Pforten schließen müssen – ein Rückgang von etwa 22 Prozent seit 2019, als es noch 10.604 Betriebe gab. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend massiv beschleunigt, wie auch SWR anmerkt. Das Gasthaus „Zur Rose“ in Pfeddersheim musste im Oktober 2022 nach 43 Jahren schließen. Solche Schicksale sind keine Seltenheit; viele Kneipen, die früher als soziale Treffpunkte galten, sind mittlerweile verwaist.
Um dem entgegenzuwirken, haben engagierte Bürger in verschiedenen Städten genossenschaftliche Strukturen gegründet. So wurde beispielsweise im Jahr 2020 die Genossenschaft „Christian’s“ in Herdorf ins Leben gerufen, die ohne Gewinninteresse agiert und die Kneipe eigenständig betreibt. Außerdem wurde ein Kneipen-Verein in Hattert mit 72 Mitgliedern gegründet, wobei die Gemeinde die Kosten übernimmt. Diese Art der Wiederbelebung stärkt nicht nur die lokale Gemeinschaft, sondern sorgt auch für ein neues Miteinander.
Die Grenzbachstube in Fischbach bei Dahn ist ein weiteres Beispiel für solch einen Neustart. Diese Kneipe wurde 2023 von einem Kultur- und Geselligkeitsverein übernommen, um die letzte Gaststätte im Ort zu retten. Hier fließen die Überschüsse aus dem Betrieb in lokale Projekte, was zeigt, wie vielfältig und kreativ Lösungen aus der Gemeinde aussehen können.
Ausblick auf die Zukunft
Die Betreiber des „Bierstübchens“ haben auch große Pläne: In der Adventszeit wollen sie ein „Glühstübchen“ vor der Kneipe eröffnen und somit die Tradition der Geselligkeit weiter pflegen. Diese Innovationen sind nicht nur für die Betreiber wichtig, sondern auch für die Wiederentdeckung der Kneipenkultur in Rheinland-Pfalz. In Zeiten, in denen viele Betriebe vor Herausforderungen stehen, macht es Hoffnung, wenn engagierte Menschen gemeinsam anpacken und neue Konzepte entwickeln.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Kneipenszene in der Region entwickeln wird. Der Rückgang der Gaststätten steht im direkten Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungen und den wirtschaftlichen Herausforderungen, der sich viele Gastronomen gegenübersehen. Doch mit einem guten Händchen und dem Willen zur Veränderung können auch in Zukunft neue Treffpunkte entstehen, die das soziale Leben in den Dörfern und Städten bereichern.