Im Hospiz Rhein-Lahn hat Mike Brill, ein 63-jähriger ehemaliger Zimmermann, seinen Platz gefunden. Seit dem 9. Januar ist er dort zu Gast und beschreibt seinen Aufenthalt als „wie ein Sechser im Lotto“. Diese positive Einstellung ist bemerkenswert, wenn man seine Krankengeschichte betrachtet. Sie begann vor sieben Jahren mit einem Zufallsbefund bei einer Magen-Darm-Untersuchung, der ein Geschwür entdeckte. In der Folge musste er den linken Lungenlappen entfernen lassen und kämpfte gegen Lungenkrebs. Trotz dieser Herausforderungen arbeitete Brill 40 Jahre lang in Niederelbert und konzentrierte sich auf leichtere Arbeiten. Seine Resilienz zeigt sich auch in den drei Wirbelsäulenoperationen, die er durchlaufen hat.
Brill ist vom Oberkörper abwärts gelähmt und hat zuletzt Bestrahlungen abgelehnt, da der Transport schmerzhaft war. Im Hospiz hingegen hat er keine Schmerzen mehr und ist mit der Pflege zufrieden. Hier genießt er die Gemeinschaft mit anderen Gästen und die Flexibilität des Angebots. „Ich habe Hochachtung vor den Betreibern des Hospizes“, äußert er. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er glücklich in Wuppertal und Dausenau, wo er auch ehrenamtlich im Fußball aktiv war. Trotz seiner Erkrankungen hat er seine Wünsche nach einer Kreuzfahrt und Besuchen von Sportveranstaltungen verwirklicht.
Palliativversorgung in Deutschland
Die Erfahrungen von Mike Brill spiegeln die wichtige Rolle wider, die Hospize und Palliativstationen in Deutschland spielen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin gibt es über 3.000 Adressen von Hospiz- und Palliativ-Angeboten in Deutschland, doch nur 15% der Krankenhäuser verfügen über eine der rund 330 Palliativstationen. Diese spezialisierten Einrichtungen sind darauf ausgelegt, die Lebensqualität von Menschen mit fortgeschrittenen, lebensbegrenzenden Erkrankungen zu verbessern und Symptome zu lindern. Seit 2007 besteht ein Rechtsanspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung, die rund um die Uhr verfügbar ist. Diese Teams ermöglichen es Schwerkranken, würdig zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen zu sterben.
Brills Wunsch nach einer Spritze zum Lebensende ist in Deutschland nicht umsetzbar, was die Diskussion über Sterbehilfe und Patientenrechte erneut anheizt. Er hat jedoch keine Angst vor dem Sterben und möchte friedlich und in Würde einschlafen. Diese Haltung ist in der Palliativversorgung von zentraler Bedeutung, die sich nicht nur um die physischen, sondern auch um die emotionalen und spirituellen Bedürfnisse der Patienten kümmert.
Die Bedeutung von Hospizdiensten
Die Arbeit in den stationären Hospizen, wie dem in Rhein-Lahn, ist ein wesentlicher Bestandteil der Palliativversorgung. Laut der PallCompare gibt es in Deutschland rund 270 stationäre Hospize, die eigenständige Einrichtungen für Menschen mit fortgeschrittenen Erkrankungen sind. Die Hospizdienste bieten nicht nur Unterstützung für die Patienten, sondern auch für deren Familien. Rund 1.500 ambulante Hospizdienste sind aktiv und beschäftigen etwa 100.000 Ehrenamtliche, die während des Sterbens begleiten und beraten.
Mike Brills positive Erfahrungen im Hospiz zeigen, wie wichtig diese Einrichtungen für die Gesellschaft sind. Sie ermöglichen es Menschen, in einer sicheren und unterstützenden Umgebung zu leben und zu sterben, während sie die Kontrolle über ihre letzten Lebensphasen behalten.