Die Stadt Ludwigshafen hat eine neue Integrationsbeauftragte: Kerttu Taidre, die aus Estland stammt und seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Sie kam ursprünglich als Au-pair nach Deutschland und ist von der deutschen Kultur begeistert. Von 1997 bis 2006 lebte sie in Deutschland und hat seither viel über die Herausforderungen und Chancen der Integration in der deutschen Gesellschaft gelernt. Taidre übernimmt das Amt von Hannele Jalonen, die 20 Jahre lang erfolgreich für die Integration im Rhein-Neckar-Kreis verantwortlich war und nun in den Ruhestand geht. Die Rheinpfalz berichtete über ihren Werdegang und ihre Pläne für die Zukunft.

Kerttu Taidre, 47 Jahre alt, hat an der Freien Universität Berlin Pädagogik mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung studiert und schloss 2006 als Diplom-Pädagogin ab. Nach ihrem Abschluss sammelte sie Berufserfahrung in Estland, bevor sie in die Integrationsarbeit beim Malteser Hilfsdienst e. V. in Ludwigshafen eintrat. Dort hat sie unter anderem das Projekt „Lu can help“ initiiert, das Geflüchteten Unterstützung beim Deutschlernen und bei der Orientierung in Ludwigshafen bietet. Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten, wie die Leitung des „Lu can help-Leseclubs“ und die Organisation von Jobmessen, zeigen ihr Engagement für die Integration von Zugezogenen.

Herausforderungen und Chancen der Integration

In ihrer neuen Rolle als Integrationsbeauftragte wird Taidre die Abteilung Integration im Bereich Integration und Weiterbildung der Stadtverwaltung leiten. Diese Abteilung umfasst wichtige Initiativen wie den Internationalen Frauentreff und die Geschäftsstelle des Beirats für Migration und Integration. David Guthier, Dezernent für Soziales und Integration, beschreibt Taidre als eine engagierte Pädagogin mit einer reichen Migrationsgeschichte und einem starken Netzwerk in der Integrationsarbeit.

Trotz ihrer Vorfreude auf die neuen Herausforderungen äußert Taidre auch Unzufriedenheit über die Bürokratie in Deutschland, was in der Integrationsarbeit oft eine Hürde darstellen kann. Die Integration von Migrant:innen und Geflüchteten ist ein zentrales Thema in der deutschen Gesellschaft, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass 2020 etwa 26,7% der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hatten. Die Herausforderung besteht darin, diesen Menschen Chancengleichheit und Gleichbehandlung zu bieten und gleichzeitig die gesellschaftlichen Werte zu respektieren. Die Bundeszentrale für politische Bildung hebt hervor, dass Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden sollte.

Der Weg zur Integration

Die Integrationspolitik in Deutschland hat sich über die Jahrzehnte stark gewandelt. Bis in die späten 1990er Jahre galt Deutschland nicht als Einwanderungsland, und die Verantwortung für die Integration lag lange Zeit bei den Kommunen und Wohlfahrtsverbänden. Erst mit dem Zuwanderungsgesetz von 2005 wurde Integration als Aufgabe des Bundes festgeschrieben, und es wurden Integrationskurse eingeführt, die Sprach- und Orientierungskurse umfassen. Diese Entwicklung zeigt, dass Integration ein interaktiver Prozess ist, der von allen gesellschaftlichen Akteuren gestaltet werden muss.

Trotz der Herausforderungen, die mit der Integration von Migrant:innen verbunden sind, gibt es auch viele Erfolgsgeschichten, die Mut machen. Kerttu Taidre wird mit ihrem Engagement und ihrer Erfahrung sicherlich dazu beitragen, die Integration in Ludwigshafen weiter zu stärken und die Brücken zwischen den Kulturen auszubauen.