Am 23. November 2025 wurde im Feuerbachhaus in Speyer ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: Der Verein Feuerbachhaus e.V. lud zum 50-jährigen Bestehen ein. Bei dieser festlichen Veranstaltung hielt Bürgermeisterin Monika Kabs eine eindrucksvolle Ansprache und betonte den großen Zuspruch, den das Haus in der Region genießt. Sie hob hervor, wie wichtig kulturelle Institutionen für das Zusammenleben sind und verabschiedete die Gäste mit festlichen Worten.
Der Abend bekam eine besondere Note durch den Vortrag von Michael Wagner, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur im Landtag Rheinland-Pfalz. Unter dem Titel „Kultur ist Menschsein – über den Wert der Kultur und unsere Verantwortung, sie zu bewahren“ stellte er die unentbehrliche Rolle von Kunst in unserer Gesellschaft in den Vordergrund. Wagner zitierte dabei bedeutende Persönlichkeiten wie Richard von Weizsäcker, Elke Heidenreich und Ludwig van Beethoven, deren Worte die Bedeutung der kulturellen Bildung unterstrichen, die für alle Menschen zugänglich sein sollte. Ein eindringlicher Appell, der bei den Anwesenden nachklang.
Kultur trifft Musik
Ein Highlight des Abends war die musikalische Darbietung, die im Geiste der Schubertiaden gestaltet war. Der Tenor Michael Wagner wurde am Klavier von Prof. Leo Krämer begleitet und brachte eine Auswahl an Liedern aus Franz Schuberts berühmtem Liederzyklus „Winterreise“ zu Gehör. Dieser Zyklus, komponiert 1827 nach Gedichten von Wilhelm Müller, gilt als eine der bedeutendsten Schöpfungen der romantischen Liedkunst. In Rückbezug auf diese große Tradition präsentierte Wagner sechs Lieder, darunter Klassiker wie „Gute Nacht“ und „Der Leiermann“.
„Winterreise“ erzählt von der Einsamkeit und den seelischen Qualen eines wandernden Protagonisten, der nach dem Verlust seiner Geliebten durch eine winterliche Landschaft wandert. Schubert schuf mit diesem Werk ein Monodrama, das in der Musikwelt hohe Wellen schlägt. Die musikalische Vielfalt und die emotionale Tiefe der einzelnen Lieder machen „Winterreise“ zu einem einzigartigen Erlebnis, das nicht nur beim Singen, sondern auch im Hören lebendig wird. Schuberts Komposition hat seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 1828 unzählige Sänger und Pianisten inspiriert, und ihre Relevanz bleibt bis heute ungebrochen.
Dramatische Struktur und Einfluss
„Winterreise“ umfasst 24 Gedichte, die die Themen Einsamkeit, Verlust und Resignation durch alle Lieder ziehen. Die dramatische Struktur zeigt eindrücklich die Entwicklung des Protagonisten von der Hoffnung zur Resignation. Der Einfluss von Schuberts Werk reicht bis in die Gegenwart und findet sich in den Kompositionen von späteren Größen wie Gustav Mahler und Benjamin Britten wieder. Auch zahlreiche moderne Adaptionen, sei es in Theaterstücken oder Balletten, zeugen von der zeitlosen Bedeutung des Werkes.
Die gelungene Kombination aus Musik, Wort und Reflexion an diesem Festabend im Feuerbachhaus erinnerte nicht nur an den kulturellen Erbe Anselm Feuerbachs, sondern ließ auch die Herzen der Anwesenden höher schlagen. Musik und Kultur verbinden – das zeigte der Abend eindrucksvoll und hinterließ bei allen Gästen einen bleibenden Eindruck.