In der ehemaligen Synagoge in Deidesheim wird am Samstag, den 7. März, ab 19 Uhr das Theaterstück „Abgerungen“ aufgeführt. Dieses eindrucksvolle Ein-Personen-Stück von Boris Weber wird von dem Schauspieler Bruno Lehan präsentiert. Die Aufführung ist nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Geschichte, insbesondere mit dem Leben von Richard Henkes, einem bemerkenswerten Pallottinerpater, der 1945 im Konzentrationslager Dachau starb. Der Eintritt zur Aufführung ist frei, was die Veranstaltung zusätzlich attraktiv macht.

Richard Henkes wurde am 26. Mai 1900 in Ruppach-Goldhausen geboren und trat 1912 in die Pallottiner-Gemeinschaft ein. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1925 wirkte er als Lehrer und Erzieher, engagierte sich jedoch auch aktiv gegen den Nationalsozialismus. Sein Engagement führte dazu, dass er mehrfach von der Gestapo verfolgt und schließlich 1943 ins KZ Dachau gebracht wurde. Henkes starb am 22. Februar 1945 an Typhus, nachdem er sich um kranke Mithäftlinge gekümmert hatte.

Das Theaterstück „Abgerungen“

In „Abgerungen“ spielt Lehan einen Schriftsteller, der ein Stück über Henkes schreibt. Zunächst aus finanziellen Gründen, wird er schnell von Henkes‘ Lebensgeschichte und seinem unermüdlichen Kampf gegen die menschenverachtenden Ideologien des Nationalsozialismus begeistert. Henkes‘ Mut und die Anklage gegen die Tötung Unschuldiger sind zentrale Themen, die in diesem Theaterstück behandelt werden. Es ist eine Verbindung von Theater und Geschichte, die dazu anregt, über vergangene und gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen nachzudenken.

Zu dem Projekt gehört auch die Wanderausstellung „Mehr Leben entdecken – Haltung Heute“ der Stiftung aus Vallendar, die vom 10. bis 24. Mai in der ehemaligen Deidesheimer Synagoge gezeigt wird. Diese Ausstellung ergänzt das Theaterstück und lädt die Besucher ein, sich intensiver mit den Themen des Glaubens, der Menschlichkeit und der Zivilcourage auseinanderzusetzen.

Richard Henkes: Ein Leben für die Nächstenliebe

Richard Henkes gilt als Kämpfer gegen Menschenverachtung und wird von den Pallottinern als Märtyrer der Nächstenliebe angesehen. Sein Engagement gegen die nationalsozialistische Herrschaft führte dazu, dass er 1937 wegen einer Predigt angezeigt wurde, die als Verunglimpfung des Führers interpretiert wurde. Trotz mehrfacher Verhaftungen blieb er in seinem Glauben stark und half seinen Mitgefangenen im KZ Dachau. Sein Leichnam wurde nach dem Krieg auf dem Pallottinerfriedhof in Limburg beigesetzt, und die katholische Kirche erkannte ihn 2018 als Märtyrer an.

Die Seligsprechung von Richard Henkes, die am 15. September 2019 stattfand, ist nicht nur eine Anerkennung seines Lebens und Wirkens, sondern auch eine Mahnung, sich gegen Unrecht einzusetzen. Sein Leben und seine Taten sind heute aktueller denn je und bieten uns einen wertvollen Anstoß, über unsere eigene Haltung in der Gesellschaft nachzudenken.

Besuchen Sie die Aufführung von „Abgerungen“ und die dazugehörige Ausstellung – eine Gelegenheit, sich mit der bewegenden Geschichte Richard Henkes zu beschäftigen. Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel der Rheinpfalz oder erfahren Sie mehr über Henkes auf Wikipedia und der Webseite der Seligkeitskommission.