Die rheinland-pfälzische Wirtschaft zeigt sich in ihrer neuesten Herbstumfrage angespannt und zunehmend pessimistisch. Der IHK-Konjunkturbericht erfährt von einem Konjunkturklimaindex, der mit 88 Punkten klar unter der kritischen 100-Punkte-Marke liegt. Nur ein Fünftel der befragten Unternehmen bewertet ihre aktuelle Geschäftslage als gut, während 80 Prozent sie als befriedigend oder sogar schlecht einstufen. Besonders duster sieht die Zukunft aus: Lediglich 13 Prozent der Befragten rechnen mit einer Besserung in den nächsten zwölf Monaten.
Die Stimmung in den Unternehmen ist seit zwei Jahren geprägt von Rezession und der klaren Abwesenheit von Wachstumssignalen. Dies wird auch durch die Investitions- und Beschäftigungspläne verdeutlicht, die weiterhin pessimistisch ausfallen. Während 22 Prozent der Unternehmen höhere Investitionen planen, haben 35 Prozent ihre Budgets gekürzt. Die Unsicherheit in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleibt das größte Geschäftsrisiko, das 62 Prozent der Unternehmen anführen.
Schwierige Rahmenbedingungen
Mit einem negativen Saldo von -21 Punkten bleiben auch die Exporterwartungen auf der Strecke. Das Hauptproblem scheint jedoch im Inlandsabsatz zu liegen, den 61 Prozent der Unternehmen als Risiko anführen. Ähnlich gravierend sind die Auswirkungen der jüngsten Mindestlohnerhöhungen: 63 Prozent der Unternehmen spüren bereits konkrete Folgen, wobei 42 Prozent gezwungen sind, Löhne to adjust für höhere Lohngruppen anzupassen. Preisanpassungen sind bereits bei 35 Prozent der Befragten in Planung, und 16 Prozent erwarten, dass sie Personal abbauen müssen.
Der Dienstleistungssektor zeigt sich mit einem Konjunkturklimaindex von 99 Punkten relativ stabil; der Bausektor hingegen gibt ebenfalls düstere Signale. Trotz einer leichten Erholung im Frühling – spürbar in einem Anstieg des Konjunkturklimaindex um 7 Punkte auf 88 – bleibt die Gesamtlage für den Großteil der Unternehmen angespannt, wie auch die Süddeutsche berichtet.
Zukunftsaussichten
Arne Rössel, der Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, betont, dass einzige Hoffnungsträger schnelle, wachstumsfördernde Impulse und konkrete Maßnahmen durch politische Entscheidungen sind. Die Bedingungen bleiben angespannt und vor allem der Inlandsabsatz und die steigenden Arbeitskosten lassen viele Unternehmen in ihrer Planung vorsichtig bleiben. Zwei Drittel der Unternehmen zeigen sich zurückhaltend hinsichtlich Veränderungen im Personalstand, 23 Prozent rechnen aber dennoch mit einem Rückgang der Belegschaft.
In einer Zeit, in der die Zinsen für Sparkonten auf einem mehrjährigen Hoch sind und aktuell bis zu 5,84 Prozent zu erzielen sind – wie Forbes berichtet – könnte es möglicherweise einen positiven Einfluss auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen geben. Dennoch bleibt der allgemeine Konsens, dass ohne Veränderung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine nennenswerte Wendung in der Konjunkturlage zu erwarten ist.