Am 9. November 1938 brannte die Zweibrücker Synagoge während der schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht, auch bekannt als Kristallnacht. Anlässlich dieses dunklen Kapitels der Geschichte versammelten sich am Samstagabend, dem 10. November 2025, rund 70 Teilnehmer am ehemaligen Standort der Synagoge, um der Opfer zu gedenken. Die Veranstaltung wurde vom Bündnis Buntes Zweibrücken organisiert, in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Arbeitskreis und dem Historischen Verein. Die Vielzahl an Anwesenden zeigt das wachsende Interesse an der Aufarbeitung der Vergangenheit, was auch Oberbürgermeister Marold Wosnitza in seinen Worten betonte, als er die gestiegene Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr lobte. In einer Aussage der Saarbrücker Zeitung erinnert Wosnitza auch an die Gefahren, die aus Ausgrenzung und Hass resultieren.

Die Veranstaltung begann mit einem berührenden Auftritt des Chors und der Band des Hofenfels-Gymnasiums, die das Lied „Hitrag‘ ut“ vortrugen. Dies bildete einen feierlichen Rahmen für die Ansprachen, in denen der gemeinsame Tenor der Redner klar war: „Nie wieder“. Unter den Sprechern war auch Michael Schubert, Vorsitzender des Historischen Vereins, der die Brandstiftung der Synagoge mit den berüchtigten Krematorien in Vernichtungslagern verglich und die Bedeutung der kulturellen Vielfalt in Zweibrücken hervorhob. Zudem äußerte er Kritik am völkischen Gedankengut der AfD. Auch die historische Dimension der Reichspogromnacht wurde angesprochen, die eine Welle von Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland einläutete, mit über 1.400 zerstörten Synagogen und mehr als 7.000 beschädigten oder zerstörten Geschäften. Wie Wikipedia erläutert, überlebten diese Ereignisse mehr als 91 Tote, und viele Juden wurden in Konzentrationslager geschickt.

Erinnerung und Verantwortung

Besonders eindringlich sprach die Poetry-Slammerin Leah Eisenbarth, die die Bedeutung der Erinnerungskultur und die Gefahren des Vergessens thematisierte. Auch Schulsprecher Niklas Reitnauer stellte heraus, wie wichtig es ist, das Gedächtnis an die Angriffe auf die Menschlichkeit während der Pogromnacht wachzuhalten. Pfarrer Reinhard Scheller warnte in seiner Ansprache vor der Zerbrechlichkeit unserer Menschlichkeit sowie dem gefährlichen Schweigen, das bei Unrecht oft herrscht.

Im Anschluss an die offizielle Gedenkveranstaltung fand in der Alexanderskirche ein Event mit dem Titel „Erinnerung aus Verantwortung für die Zukunft“ statt. Hier wurden in einem musikalischen Rahmen Gedanken zur Pogromnacht und deren Auswirkungen auf die heutige Zeit präsentiert. Die umfassende Reflexion über diese Ereignisse und deren Lehren für die Zukunft war ein zentraler Bestandteil der gesamten Veranstaltung. Abschließend wurde mit dem aaronitischen Segen und dem Lied „Cavatina“ von Musiker Wolfgang Wehner ein bewegender Schlussakkord gesetzt, um der Geduld und Resilienz der jüdischen Gemeinschaft in Zweibrücken zu gedenken.

Durch solche Gedenkveranstaltungen wird nicht nur der schrecklichen Vergangenheit gedacht, sondern auch der Weg für eine inklusive und respektvolle Gesellschaft geebnet. Die Verantwortlichen rufen dazu auf, Hass und Ausgrenzung aktiv entgegenzuwirken, damit sich die Fehler der Geschichte nicht wiederholen.