In den letzten Jahren ist die Diskussion über die Abhängigkeit von US-amerikanischen IT-Dienstleistern in Deutschland und Europa immer lauter geworden. US-Präsident Donald Trump hat mit Zöllen gedroht, was die Forderungen nach mehr Unabhängigkeit von den USA verstärkt hat. Besonders betroffen ist der IT-Bereich, in dem US-Firmen dominieren. Im Saarland beispielsweise nutzt die Landesverwaltung überwiegend Standardsoftware von Microsoft, einschließlich Office-Anwendungen und Videokonferenzsoftware. Im Jahr 2022 wurden rund 3,3 Millionen Euro für Lizenzen von US-Anbietern ausgegeben, was die Abhängigkeit der saarländischen Verwaltung unterstreicht. Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Club (CCC), warnt vor den Risiken, die mit der Nutzung von US-Software einhergehen, wie Datenmissbrauch und mögliche Zugangsverweigerungen durch US-Anbieter.
Die saarländische Digitalstrategie erwähnt lediglich das Management von Abhängigkeiten und den gezielten Einsatz von Open-Source-Software, eine flächendeckende Umstellung auf Open-Source-Lösungen ist jedoch nicht geplant. IT-Sicherheitsprofessor Damian Weber weist auf vorhandene Open-Source-Alternativen wie LibreOffice hin, betont jedoch den Schulungsbedarf für Mitarbeiter. Die saarländische Landesregierung strebt eine föderale Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung an, um die Kontrolle über eingesetzte Software zu erhöhen.
Open-Source-Initiativen in Deutschland
Ein Blick nach Schleswig-Holstein zeigt, wie man es anders machen kann. Dieses Bundesland hat als erstes in Deutschland vollständig auf unabhängige Open-Source-Software umgestellt und MS-Programme weitgehend aus den Behörden verbannt. Digitalminister Dirk Schrödter hebt die Bedeutung staatlicher Souveränität in der IT hervor und sieht in Open-Source-Lösungen eine Möglichkeit, Abhängigkeiten zu reduzieren. Bereits rund 44.000 Mailaccounts in Schleswig-Holstein wurden von Outlook auf unabhängige Software umgestellt, und es ist geplant, Windows durch eine Linux-Lösung zu ersetzen.
Das Zentrum für digitale Souveränität (ZenDiS) hat mit „OpenDesk“ eine eigene Office-Alternative entwickelt, die bereits von ersten Behörden wie dem Robert-Koch-Institut genutzt wird. Diese Open-Source-Software bietet eine sichere und unabhängige Lösung, die im Gegensatz zu Microsofts proprietärer Software steht. Die Bundesregierung plant, Open-Source-Software aus Europa zu fördern, um die Abhängigkeiten von US-Anbietern zu verringern und setzt dabei auf die Entwicklung und Nutzung europäischer Software, die in deutschen Rechenzentren gespeichert wird.
Die Herausforderungen der Umstellung
Die Umstellung auf Open-Source-Software kann zwar anfangs mit Einschränkungen und technischen Problemen verbunden sein, ist jedoch ein notwendiger Schritt in Richtung digitale Souveränität. Die Risiken bei proprietärer Software sind vielfältig: IT-Dienstleister können Dienste einstellen oder den Zugang blockieren, Daten können über Hintertüren ausgelesen werden, und Software kann ein Einfallstor für Schadsoftware sein. Ein Gutachten der Uni Köln warnt, dass US-Behörden auf Daten in US-Clouds zugreifen können, selbst wenn diese in der EU gespeichert sind. Microsoft betont zwar, dass Kundendaten geschützt werden und bietet Möglichkeiten zur Datenverschlüsselung an, doch das Misstrauen gegenüber US-Anbietern wächst, insbesondere verstärkt durch den Cloud Act.
Im Saarland bleibt abzuwarten, wie sich die digitale Strategie weiterentwickelt. Während Schleswig-Holstein bereits einen mutigen Schritt in Richtung Unabhängigkeit gemacht hat, gibt es im Saarland noch keine umfassende Open-Source-Strategie. Die saarländische Regierung hat angekündigt, die digitale Infrastruktur zu modernisieren und die Kontrolle über eingesetzte Software zu erhöhen, doch die Abhängigkeit von US-Dienstleistern bleibt eine Herausforderung. Das Softwareunternehmen Krämer IT investiert 1,3 Millionen Euro in eine saarländische KI-Cloud, um eine sichere deutsche Plattform für KI-Anwendungen zu schaffen, was ein Schritt in die richtige Richtung sein könnte.
Die Diskussion um digitale Souveränität in Deutschland bleibt also spannend. Mit Initiativen wie OpenDesk und den Bemühungen, Open-Source-Software zu fördern, könnte ein Weg in eine unabhängige digitale Zukunft geebnet werden. Die Zeit wird zeigen, ob die saarländische Verwaltung aufschließt oder weiterhin in der Abhängigkeit von US-Anbietern verharrt. Weitere Informationen finden Sie in diesem Artikel und hier hier.