Der Beruf des Gerichtsvollziehers steht immer mehr im Rampenlicht, besonders nach einem tragischen Vorfall im Saarland, wo ein Gerichtsvollzieher während einer Zwangsräumung ums Leben kam. Am 1. Dezember 2025 stach ein mutmaßlicher Täter mit einem Jagdmesser auf den 58-jährigen Gerichtsvollzieher ein und ließ ihn tödlich verletzt zurück.N-tv berichtet, dass dieser Vorfall nicht nur in der Region für Schock sorgt, sondern auch landesweit Diskussionen über die Sicherheit von Gerichtsvollziehern auslöst.

Jana Weber, die Vorsitzende des Landesverbands Thüringen des Deutschen Gerichtsvollzieherbundes, äußerte ihre Besorgnis über die Sicherheit ihrer Kollegen. Sie berichtet von alltäglichen Beleidigungen, mit denen Gerichtsvollzieher konfrontiert sind, und betont, dass sie oft als „Buhmann“ wahrgenommen werden. Zahlreiche Gerichtsvollzieher sind emotional belastet, da sie in hitzige Konfliktsituationen eintauchen müssen.

Die Gefahren des Berufs

Wie Manuel Schunger, Obergerichtsvollzieher aus Ehingen, schildert, wird die Gefahr des Berufs jedoch immer bewusster. Schunger, der bei Außenterminen eine schuss- und stichsichere Weste trägt und mit einem Alarmfunkknopf ausgestattet ist, bereitet sich gewissenhaft auf jeden Einsatz vor. Durch die Einsicht in den Grundriss der Wohnung und das Vorstrafenregister des Schuldners verschafft er sich ein Bild der Lage und nimmt die Sicherheitsvorkehrungen ernst. Bei einem Termin fand er im Keller ein Schwert, das ein rotes Warnsignal hinsichtlich der möglichen Aggressivität des Schuldners auslöste, jedoch verlief dieser Termin unproblematisch, da der Schuldner kooperierte und die Schlüssel übergab.Tagesschau berichtet.

In einem anderen Fall hat Frank Czaja, Gerichtsvollzieher in Nürnberg, deutliche Erfahrungen mit der Gefährdung des Berufs gemacht. Unabhängig von der Zahl der Vorfälle, die in Bayern dokumentiert wurden – zwischen Juli 2022 und Juni 2023 gab es 541 Gewaltvorfälle im Geschäftsbereich der Justiz – stellt Czaja klar, dass eine gewisse Gefährdung für Gerichtsvollzieher stets vorhanden ist. Er selbst hat verbale Drohungen erlebt und ist in einem weiteren Fall mit einem Samurai-Schwert angegriffen worden. Solche Vorfälle zeigen, wie ernst die Situation für viele Gerichtsvollzieher ist, die häufig in angespannten emotionalen Kontexten arbeiten.BR.de berichtet.

Schutzmaßnahmen und Schulungen

Die Sicherheitslage hat dazu geführt, dass in Thüringen kugel- und stichfeste Schutzwesten für Gerichtsvollzieher bereits zur Standardausstattung gehören. Eine bundesweite Gefährdungsabfrage erlaubt es Gerichtsvollziehern, bei der Polizei nach potenziellen Gefahren zu fragen. Justizministerin Beate Meißner (CDU) bestätigte, dass die Reaktionen in Konfliktsituationen rauer werden. Gerichte und Staatsanwaltschaften erhöhen die Sicherheitsmaßnahmen, beispielsweise durch Schulungen zur Eigensicherung und Deeskalation.N-tv berichtet.

Zusätzlich werden mobile Notfallsender, die den Standort übertragen, eingeführt. Eine Diskussion über eine Mithörfunktion für diese Geräte ist im Gange, um den Gerichtsvollziehern noch mehr Sicherheit zu bieten. Trotz dieser Maßnahmen betont Gregor Weber, der Vorsitzende des bayerischen Gerichtsvollzieherbundes, dass eine absolute Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, und dass der Job stets mit einem Risiko verbunden bleibt, das nicht unterschätzt werden sollte. Schließlich sieht sich Nürnberger Gerichtsvollzieher Czaja als emotionale Schnittstelle zwischen Gläubigern und Schuldnern, was den Druck und die Verantwortung des Jobs nur noch verstärkt.