In St. Wendel wurde am 9. November 2025 der Reichspogromnacht gedacht, einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte, das die Erinnerung an die Verfolgung und die leidvollen Schicksale der jüdischen Mitbürger wachhält. An diesem Tag fanden verschiedene Veranstaltungen statt, die sowohl zur Mahnung als auch zur Förderung des Friedens dienten.
An einer zentralen Kranzniederlegung am Standort der zerstörten Synagoge in der Kelsweilerstraße 13 nahm Landrat Udo Recktenwald teil. Gemeinsam mit etwa 80 anwesenden Personen, darunter dem Pfarrer Erwin Recktenwald, wurde den Opfern der Pogromnacht gedacht, die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 stattfand. Diese Nacht, in der Hunderte von Synagogen in Brand gesteckt wurden und Zehntausende von Juden verhaftet wurden, markierte den Beginn der massiven Verfolgung von deutschen Juden. Der SWR erinnert daran, dass die Reichspogromnacht bis heute einen bleibenden Eindruck im kollektiven Gedächtnis der Deutschen hinterlassen hat.
Konzert für den Frieden
Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen fand in der evangelischen Stadtkirche ein Konzert mit dem Titel „Vom Dunkel zum Licht“ statt. Bereits am 8. Mai aufgeführt, wurde es auf Wunsch von Susanne Hartard erneut ins Leben gerufen. Dieses Konzert, organisiert vom Eltern-Lehrer-Schüler-Ehemaligen-Chor Chorlores des Cusanus-Gymnasiums, wurde von der Partnerschaft für Demokratie des Landkreises St. Wendel gefördert. Klänge von Frieden durchdrangen die Kirche und boten einen bewegenden Kontrast zu den schmerzhaften Erinnerungen.
Eröffnet wurde das Konzert durch den Klarinettisten Jürgen Brill, der ein selbst geschriebenes Stück mit dem Titel „Frieden“ präsentierte. Der Chorlores sowie der Hardchor des Cusanus-Gymnasiums brachten ein facettenreiches Programm auf die Bühne, das Geschichten von Flucht und Hoffnung enthielt. Besonders berührend war das Stück „The Girl from Aleppo, Everyday Wonders“ von Cecilia McDowall, das die Geschichte von Nujeen Mustafa erzählt, einem Mädchen mit Zerebralparese, das mit ihrer Schwester aus Syrien floh.
Erfolge und Ausblicke
In einem eindrucksvollen Auftritt traten Solisten wie die Violinistin Solveigh Röttig, die Sopranistin Katharina Becker sowie die Mezzosopranistin Angela Lösch auf. Das Konzert schloss mit Helen Ostafew-Temminks „Requiem for Humanity“, welches christliche und weltliche Texte auf bemerkenswerte Weise vereinte. Zudem bestand die Möglichkeit, mehr über die Gräueltaten der Reichspogromnacht zu erfahren: Schüler der Gemeinschaftsschule Türkismühle setzten sich mit der Vergangenheit auseinander und berichteten über jüdisches Leben in der Gemeinde Nohfelden.
Ein Spendenaufruf für die Stolpersteine, um die 137 jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Nohfelden zu gedenken, wurde bisher gut angenommen. Die Veranstaltung endete mit einer Zugabe des Chors Chorlores sowie einem geselligen Umtrunk, der den nachdenklichen und emotionalen Abend beschloss und die Gemeinschaft näher zusammenbrachte.
Solche Veranstaltungen sind essentiell, um das Gedächtnis aufrechtzuerhalten und künftige Generationen für die Bedeutung von Toleranz und Mitmenschlichkeit zu sensibilisieren. Möge der Frieden, den die Musik an diesem Abend vermittelte, auch in den Herzen der Menschen weiterleben.