Am 25. November fand der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen statt, und die Kreisstadt St. Wendel ließ sich nicht lumpen. Mit einer aufmerksamen Aktion setzte die Stadt ein starkes Zeichen gegen häusliche Gewalt und andere Formen der Übergriffe auf Frauen. So hingen Fahnen am historischen Amtshaus und Roll-Ups im Bürgeramt, die auf das ernste Thema aufmerksam machten. Die Frauenbeauftragte der Stadt war außerdem im Globus Markt aktiv und verteilte Kräutersamentütchen, die nicht nur schön anzusehen waren, sondern auch die Hilfenummer des Frauennotrufs Saarland enthielten. Der Leitgedanke der Aktion, „Gegen Gewalt an Frauen ist noch kein Kraut gewachsen. Aber wir arbeiten dran!“, könnte nicht treffender sein.
Die Problematik ist enorm: Laut den Vereinten Nationen sind über 35% aller Frauen weltweit mindestens einmal Opfer von sexueller oder physischer Gewalt geworden. In Deutschland, dem Land der Gleichberechtigung, hat jede dritte Frau bislang körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Besonders alarmierend ist die Zahl der versuchten Tötungsdelikte: Täglich wird in Deutschland eine Frau von einem Täter bedroht, und alle zwei Tage wird eine Frau ermordet. In etwa der Hälfte dieser Mordfälle ist der Partner oder Ex-Partner der Täter. Hier muss mehr geschehen, um Frauen zu schützen und Hilfsangebote auszubauen. Psychische und emotionale Gewalt sind ebenfalls gravierende Probleme, deren Folgen oft weitreichend sind.
Internationale Aktionen und Unterstützung
Diese grässliche Thematik endet nicht an den Grenzen Deutschlands. Auch weltweit sind Frauen und Mädchen geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt. Am 25. November ruft die ehrenamtliche Themengruppe „Menschenrechtsverletzungen an Frauen“ unter dem Dach von Amnesty International zu Aktionen auf, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Ursprünglich von zivilgesellschaftlichen Organisationen initiiert, wird der Internationale Tag seit 1999 offiziell von den Vereinten Nationen unterstützt. Die Amnesty-Gruppe zum Sudan richtet zudem den Blick auf die dortige humanitäre Katastrophe, wo seit April 2023 Frauen und Mädchen im Zuge des Konflikts zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces besonders von sexualisierter Gewalt betroffen sind.
Eine erschreckende Statistik berichtet von zehntausenden Tötungsdelikten jährlich – ein alarmierendes Signal für die gesamte Menschheit. Die Zahlen verdeutlichen: Gewalt gegen Frauen ist eine weit verbreitete Menschenrechtsverletzung und ein globales Phänomen, das nicht hinnehmbar ist. Die gesellschaftliche Aufmerksamkeit ist gefragt, und Teile von St. Wendel, von Saarlouis bis zum Saarpfalz-Kreis, haben bereits mit Fahnen und Bannern ein starkes Zeichen gesetzt.
Was sind die nächsten Schritte?
Die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbeauftragten im Saarland hat sich dafür eingesetzt, mehr und besser ausgestattete Hilfsangebote zu schaffen und die Umsetzung der Istanbul-Konvention voranzutreiben. Diese Konvention, die Deutschland 2018 unterzeichnet hat, setzt sich für den Schutz und die Unterstützung von Frauen ein und fordert Maßnahmen gegen Gewalt und Diskriminierung.
Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Anstrengungen, solche tragischen Themen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, sind unerlässlich. Nur so können wir gemeinsam dazu beitragen, dass der Glaube an ein Leben ohne Gewalt für alle Frauen und Mädchen Wirklichkeit wird.