Die Nutria, auch bekannt als Sumpfbiber, hat in den letzten 100 Jahren einen beachtlichen Siegeszug in Deutschland angetreten. Ursprünglich aus den Gewässern Südamerikas stammend, wurden diese Tiere zur Pelzgewinnung nach Europa eingeführt. In Deutschland begann ihre Geschichte in den 1920er Jahren, als sie in Pelztierfarmen gehalten wurden. Viele Nutrias entkamen oder wurden freigelassen, was zu ihrer heutigen Verbreitung führte. Diese invasive Art hat sich mittlerweile in über einem Drittel der Jagdreviere in Deutschland etabliert, was einer Verdopplung seit 2015 entspricht. Besonders in städtischen Gebieten, wie Hamburg und Bremen, hat die Zahl der Nutrias durch unerlaubtes Füttern und günstige klimatische Bedingungen stark zugenommen. In Bremen beispielsweise berichten 93 Prozent der Reviere von ihrem Vorkommen, eine Steigerung um das Sechsfache seit 2015.

Nutrias sind nicht nur für ihren hohen Reproduktionsrate bekannt, sondern auch für ihre Lebensweise. Diese Tiere leben monogam in Gruppen von 12 bis 15 Individuen und bringen nach einer Tragzeit von etwa 19 Wochen bis zu acht Junge zur Welt. Ihr Speiseplan ist vorwiegend vegetarisch; sie ernähren sich von Wasserpflanzen, Mais und gelegentlich auch von Schnecken und Muscheln. Mit einem Gewicht von rund 9 kg und einer Körperlänge von etwa 70 cm, plus 45 cm Schwanz, sind sie gut an das Leben im Wasser angepasst. Ihre Schwimmhäute an den Hinterfüßen ermöglichen ihnen ein schnelles Vorankommen im Wasser, und sie können bis zu fünf Minuten tauchen.

Ökologische Herausforderungen durch Nutrias

Die Verbreitung der Nutria hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Umwelt. Diese Nagetiere graben Tunnel in Uferböschungen, Deichen und Gräben, was die Stabilität wasserbaulicher Anlagen gefährden kann. Neben den direkten Schäden an Infrastrukturen untergraben sie Flussufer und vernichten Schilfgürtel, die für viele Arten von Vögeln, Fischen und Amphibien lebenswichtig sind. Ihr Fressverhalten bedroht die Renaturierung von Ökosystemen und gefährdet Lebensräume für zahlreiche bedrohte Arten. Die Deutsche Wildtier Stiftung und der Deutsche Jagdverband (DJV) warnen vor den Gefahren der Nutria für den Hochwasserschutz und fordern die Aufnahme dieser Art ins Bundesjagdgesetz sowie verstärkte Fangjagden.

Der Schaden, den Nutrias anrichten, betrifft auch die Landwirtschaft. Sie können Gräben nahe Weideflächen beschädigen und dadurch wirtschaftliche Verluste für Landwirte verursachen. Im Jagdjahr 2024/2025 wurden in Niedersachsen knapp 54.000 Nutrias erlegt, was einem Anstieg von 19,5 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. In der Saison 2023/24 wurde sogar ein Rekord von fast 117.500 erlegten Nutrias verzeichnet, wobei fast drei Viertel dieser Tiere aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stammten. Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass am Niederrhein die Nutria über 90 Prozent des Schilfs in wenigen Jahren vernichtet hat.

Die Herausforderungen der Urbanisierung

Die urbanen Lebensräume bieten Nutrias ideale Bedingungen zum Gedeihen. Die Kombination aus unerlaubtem Füttern, klimatischen Vorteilen und jagdlichen Einschränkungen hat dazu geführt, dass diese Tiere sich in Städten wie Hamburg und Bremen stark ausbreiten. In Hamburg lag die Anwesenheit von Nutrias im Jahr 2023 bei 74 Prozent der Reviere. Die Auswertung basiert auf Daten von über 23.000 Jagdrevieren, die mehr als ein Drittel der forst- und landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands abdecken.

Die Problematik rund um die Nutria ist komplex und erfordert ein Umdenken in der Jagd- und Naturschutzpolitik. Während der ökologische Schaden durch Nutrias im Vergleich zu anderen gebietsfremden Arten als niedriger eingeschätzt wird, ist das Potenzial für Schäden an Ökosystemen und landwirtschaftlichen Flächen nicht zu unterschätzen. Projekte wie „Lebendige Röhrichte“ zeigen jedoch, dass es Möglichkeiten zur Wiederbesiedlung und zum Schutz der wertvollen Schilfgebiete gibt. Das Zusammenspiel von Jagd, Naturschutz und öffentlichem Bewusstsein ist entscheidend, um die Herausforderungen, die diese invasive Art mit sich bringt, zu bewältigen.

Für weitere Informationen über die Nutria und ihre Auswirkungen auf die Umwelt, können Sie die vollständigen Artikel auf Welt.de, Jagdverband.de und Tagesschau.de nachlesen.