Im Herzogtum Lauenburg hat sich am 26. Januar ein bedeutender Schritt zum Schutz von Kulturgut vollzogen: 18 Archive und Museen haben einen Notfallverbund gegründet. Ziel dieses Verbunds ist es, sich gegenseitig bei Schadensereignissen, die Archivalien und Museumsbestände gefährden könnten, zu unterstützen. Kreissprecher Tobias Frohnert gab die Gründung des Verbunds bekannt und erläuterte, dass vorab Gespräche mit dem Kreisfeuerwehrverband und der unteren Katastrophenschutzbehörde stattfanden. Bei Besichtigungen der Einrichtungen wurden Schwachstellen analysiert, um im Notfall optimal reagieren zu können. Hierbei wurden unter anderem Themen wie die Verfügbarkeit von Depots, Prioritätenlisten für Bergungen und Lagerkapazitäten bei Auslagerungsbedarf angesprochen.

Dr. Anke Mührenberg, Fachdienstleiterin, betonte die Bedeutung der engen Vernetzung der Archive und Museen. Dabei ist anzumerken, dass die Einrichtungen unterschiedlichen Gefahrenpotenzialen ausgesetzt sind. So hat beispielsweise das Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg/Elbe ein erhöhtes Hochwasserrisiko. Im Gegensatz dazu bietet das Lauenburgische Stadtarchiv eine gut ausgestattete Infrastruktur, inklusive klimatisierter Depotfläche. Viele große Museen, wie das Bismarck-Museum und das Möllner Museum, haben jedoch mit veralteter Gebäudetechnik zu kämpfen. Hier sind Sanierungen in Friedrichsruh und Ratzeburg geplant, während die Technik in Mölln schrittweise erneuert wird.

Vorbereitung auf Notfälle

Ein zentraler Bestandteil des Notfallverbunds ist die Ausbildung geschulter Mitarbeitender der Museen und Archive, die im Ernstfall beim Bergen, Sortieren und Einlagern von Kulturgut helfen sollen. Der Verbund fördert nicht nur die gegenseitige Unterstützung, sondern auch den Austausch über präventive Maßnahmen. Im Rahmen dieser Maßnahmen ist es wichtig, sich auf verschiedene Gefahren wie Hochwasser, Feuer und Diebstahl vorzubereiten, um Schäden zu vermeiden und den Bestand der Kultureinrichtungen zu sichern.

Das Thema Notfallvorsorge ist nicht nur im Herzogtum Lauenburg von Bedeutung. Der Notfallverbund Karlsruhe lädt beispielsweise zum jährlichen Erfahrungsaustausch am 28. und 29. April 2026 ein. Hier wird ein Programm mit Beiträgen zur Notfallvorsorge und -risiken sowie Führungsangeboten erwartet. Bei dieser Gelegenheit wird auch ein neues Risk-Ranking-Tool vorgestellt, das den Nutzern durch 10 Ja/Nein-Fragen hilft, eine individuelle Reihenfolge der relevanten Risiken zu erstellen. Dieses Verfahren wurde in Kooperation mit Robert Waller von Protect Heritage Corp. in Kanada entwickelt. Weitere Informationen sind auf der Website des Notfallverbunds verfügbar, wo auch ein neues Forum für den Austausch innerhalb der Community bereitgestellt wird.

Notfallplanung und Risikoabschätzung

Die Notfallplanung umfasst grundlegende Maßnahmen, um im Ernstfall schnell und überlegt handeln zu können. Wichtige Aspekte sind die Risikoabschätzung, die auf der Ist-Situation im Museum basiert. Dazu zählen unter anderem der Zustand von Gebäuden und Beständen sowie die Hygiene in Magazin und Ausstellung. Die Identifizierung von Gefahrenquellen ist entscheidend, um präventive Maßnahmen zu ergreifen und Notfallpläne zu erstellen.

Zu den Risiken, die es zu beachten gilt, gehören nicht nur elementare Bedrohungen wie Hochwasser und Sturmschäden, sondern auch Brandschäden, Diebstahl und unsachgemäßer Transport von Kulturgut. Die Erstellung von Notfall- und Evakuierungsplänen sowie die Schulung des Personals sind unerlässlich, um im Ernstfall effektiv reagieren zu können. Museen sollten sich daher rechtzeitig auf solche Szenarien vorbereiten, um den Schutz von Kulturgut zu gewährleisten.

In diesem Kontext ist es auch wichtig, sich mit regionalen Notfallverbünden und anderen Institutionen, wie der Polizei oder den technischen Hilfsdiensten, zu vernetzen. Eine gezielte Zusammenarbeit kann entscheidend sein, um die Sicherheit und den Erhalt des kulturellen Erbes zu fördern.

Für weitere Informationen zu Notfallplanung und Sicherheit in Museen ist die Website des Museumsverbands Hessen eine wertvolle Ressource, die hilfreiche Leitfäden und Unterstützung bietet.