Recht bewegte Zeiten im öffentlichen Dienst: Am 14. Januar 2026 versammelten sich in Schleswig-Holstein Hunderte von Menschen, um für ihre Rechte zu demonstrieren. In den Städten Kiel und Lübeck, organisiert von den Gewerkschaften ver.di und GEW, folgten zahlreiche Beschäftigte dem Aufruf zu einem Warnstreik. In Lübeck waren es etwa 300 bis 350 Teilnehmer, während in Kiel zwischen 550 und 600 Menschen auf die Straße gingen. Auch in Schleswig waren rund 350 Personen dabei. Besonders aktiv waren die Mitarbeiter des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), die sich mit vollem Einsatz für ihre Forderungen starkmachten. Zudem waren Schulen und Bildungseinrichtungen in Neumünster sowie den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde betroffen, was zu einem spürbaren Unterrichtsausfall führte. So bleibt die Frage: Wie geht es weiter?
Auf den Protesten waren auch Mitglieder der Gewerkschaft der Polizei (GdP) vertreten, die mit kleineren Aktionen auf die schwierige Lage aufmerksam machten. Die Gewerkschaften fordern eine Gehaltssteigerung von 7% oder mindestens 300 Euro mehr pro Monat. Diese Ansprüche stießen auf die Ablehnung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), die die Forderungen als unbezahlbar bezeichnete. Schleswig-Holsteins Finanzministerin Silke Schneider wies zudem auf die angespannte Haushaltslage der Länder hin. Sechs der betroffenen Bundesländer haben in einem gemeinsamen Appell die Herausforderungen erläutert und auf die Notwendigkeit einer Balance zwischen den Forderungen der Gewerkschaften und der finanziellen Realität hingewiesen.
Geplante Tarifverhandlungen und deren Kontext
Die Tarifverhandlungen laufen bereits seit dem 3. Dezember und haben bisher nicht die gewünschte Einigung hervorgebracht. Die zweite Verhandlungsrunde findet in dieser Woche in Potsdam statt und dürfte maßgeblich darüber entscheiden, wie es weitergeht. Die Arbeitgeber lehnen die Forderungen ab, argumentieren sie doch, dass die Gehälter seit 2013 im Durchschnitt um 42% gestiegen sind, während die Verbraucherpreise nur um 33,6% kletterten. Nicht zuletzt ist die Mobilisierungsfähigkeit der Gewerkschaften hoch, was nicht nur im Kieler Raum, sondern auch an vielen anderen Orten für Proteste sorgen könnte.
Laut Süddeutscher Zeitung stehen bis zur dritten Verhandlungsrunde, die vom 11. bis 13. Februar in Potsdam stattfinden soll, angekündigte Warnstreiks auch an Universitäten und Schulen in anderen Bundesländern bevor. Betroffen sind unter anderem Unikliniken, Straßenbauämter und Bildungseinrichtungen in Rostock und Schwerin. Das zeigt, dass die Welle der Unruhe und Unzufriedenheit weitreichend ist und nicht nur Schleswig-Holstein betrifft.
Die kommenden Tage werden entscheidend sein, vor allem für die Lehrkräfte, Pflegekräfte sowie andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, die in der ersten Reihe stehen. Die Verhandlungen könnten weitreichende Auswirkungen auf die Gehälter von rund 2,2 Millionen Beschäftigten haben, darunter 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamte. Die Gesellschaft und deren Einrichtungen müssen sich auf mögliche Folgen der Proteste einstellen, die nicht nur den Arbeitgebern, sondern auch den Bürgern vor Augen führen, wie wichtig eine gerechten Entlohnung im öffentlichen Sektor ist.