In Geesthacht, auf der malerischen Elbinsel im Kreis Herzogtum Lauenburg, wird derzeit ein 900 Meter langer Zaun errichtet, der dem Schutz eines wertvollen Naturschutzgebietes dient. Dieser Zaun besteht aus über 100 Zaunpfählen aus europäischer Robinie, hunderten Metern Stahldraht und einer rot-weißen Plastikkette. Der Zweck dieser Maßnahme ist klar: das Naturschutzgebiet vor unbefugtem Betreten zu schützen und die empfindlichen Biotope zu bewahren. Die Bauarbeiten, die am Mittwoch begannen, wurden bereits am Montag angekündigt und konnten in weniger als einem Tag abgeschlossen werden. Auftraggeber ist die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises.
Die Entscheidung, einen Zaun zu errichten, ist nicht ganz unumstritten. Anwohner äußern Bedenken, wie etwa Sarah G., die den Ort als Rückzugsort sieht und meint, die bestehende Beschilderung sei ausreichend. Erik J. hingegen stellt in Frage, ob der Zaun tatsächlich wirksam sein wird. Die UNB kontert diese Kritik mit dem Argument, dass trotz der vorhandenen Beschilderung häufig gegen die Regeln verstoßen werde. Die Natur leidet unter Trampelpfaden, die zu Beeinträchtigungen der Biotope führen. Um diese Schäden zu vermeiden, ist der Zaun notwendig.
Angler und Zugang für Behörden
Die Angler, die regelmäßig am Elbstrand fischen, dürfen den Strand weiterhin betreten, müssen jedoch auf den gekennzeichneten Wegen bleiben. Dabei zahlen sie für das Fischen am Elbstrand, was eine gewisse Regelmäßigkeit in der Nutzung gewährleistet. Die UNB hat auch an die Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes gedacht: Eine Lücke im Zaun, die mit Plastikketten gesichert ist, ermöglicht ihnen den Zugang. Eine Pforte konnte bislang noch nicht montiert werden, was die Nutzung für die Behörden jedoch nicht einschränkt.
Das Naturschutzgebiet ist seit 20 Jahren als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesen und umfasst Binnendünen, Elbwiesen und die Elbinsel. Ein Teil des Gebietes wird von Rindern beweidet, deren Fleisch nicht verzehrt werden darf. Ziel des Zaunbaus ist es, vor Beginn der Brut- und Setzzeit am 1. März Schutz für nistende Vogelarten sowie für seltene Pflanzenarten wie den Schierlings-Wasserfenchel zu bieten. Die Bedeutung der FFH-Richtlinie, die zum Schutz solcher Gebiete und Arten geschaffen wurde, kann dabei nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Der Wert der FFH-Richtlinie
Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) ist ein Grundpfeiler der europäischen Naturschutzgesetzgebung und bildet zusammen mit der EU-Vogelschutzrichtlinie das Fundament für den Naturschutz in der EU. Ihr Ziel ist die Sicherung der Lebensräume und die Erhaltung der Artenvielfalt. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Zustand von Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräumen zu verbessern oder zu erhalten. Dies geschieht unter anderem durch die Ausweisung von Schutzgebieten und strengen Schutzmaßnahmen für gefährdete Arten.
Die Erfolge der FFH-Richtlinie sind bemerkenswert. In den letzten Jahren konnten einige Arten wie Wolf, Fischotter und Kranich wieder in ihren natürlichen Lebensräumen gesichtet werden. Gleichzeitig wird der Nutzen des Natura-2000-Netzwerks, das durch die FFH-Richtlinie gefördert wird, auf jährlich 200 bis 300 Milliarden Euro geschätzt. Dies zeigt, dass der Schutz von Gebieten und Arten nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch von großer Bedeutung ist.
Fazit: Schutzmaßnahmen für die Zukunft
Die Maßnahmen zum Schutz des Naturschutzgebietes in Geesthacht sind Teil eines größeren Konzepts, das durch die FFH-Richtlinie und die Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere unterstützt wird. Diese internationale Zusammenarbeit ist entscheidend für das Fortbestehen geschützter Arten und Lebensräume. Der strenge Schutz von Anhang IV-Arten, zu denen unter anderem die Wildkatze und die Würfelnatter gehören, erfordert besondere Berücksichtigung in land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebieten. Der Erhalt von Saumstrukturen und Brachflächen sowie die Pflege und Erhaltung kleinräumiger Habitatstrukturen sind wichtige Schritte, um die Biodiversität langfristig zu sichern.
Insgesamt zeigt der Zaun auf der Elbinsel, wie wichtig der aktive Schutz von Naturgebieten ist und wie durchdachte Maßnahmen das Überleben von Arten und Lebensräumen sichern können. Nur durch die Kombination von Schutzmaßnahmen und der Zusammenarbeit aller Beteiligten kann es gelingen, unsere wertvollen Ökosysteme für kommende Generationen zu bewahren.