Am 19. April 2023 haben die Bürgerinnen und Bürger der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel über eine spannende Frage abgestimmt: Soll Kiel sich um die Co-Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben? Bei dieser Abstimmung waren rund 192.000 Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 63,5 Prozent haben sich für die Bewerbung ausgesprochen, während 36,5 Prozent dagegen votierten. Im Vergleich zu einem früheren Referendum für die Olympischen Spiele 2024, bei dem 65,6 Prozent für eine Bewerbung stimmten, zeigt sich eine ähnliche Begeisterung für die Olympischen Spiele.
Kiel hat eine lange Tradition im Ausrichten olympischer Segelregatten, die bereits 1936 und 1972 stattfanden. Der scheidende Oberbürgermeister Ulf Kämpfer äußerte sich positiv über das Abstimmungsergebnis und betonte die breite Unterstützung der Bewerbung durch das Land. Gleichzeitig hob er seine zukünftige Rolle in der Landespolitik hervor und verdeutlichte, dass Kiel weiterhin aktiv im Bewerbungsprozess für die Olympischen und Paralympischen Spiele engagiert bleiben wird.
Die Bewerberlandschaft
Die Konkurrenz schläft nicht, denn neben Kiel bewerben sich auch Hamburg, München, Berlin und die Region Köln-Rhein-Ruhr als deutsche Kandidaten. Abhängig von der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 26. September könnte Kiel oder Rostock-Warnemünde als Segel-Partner ausgewählt werden. Hamburg, München und Köln-Rhein-Ruhr haben sich teilweise für Kiel als Segel-Partner entschieden, während Berlin Rostock-Warnemünde als alleinigen Partner nominiert hat.
Parallel zur Kieler Abstimmung fand in Köln-Rhein-Ruhr ein Referendum statt, bei dem mehr als 1,4 Millionen Menschen abstimmten. Erste Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen zeigen hohe Zustimmungsraten, insbesondere in Städten wie Dortmund und Duisburg mit jeweils 70 Prozent. Hamburg plant sein eigenes Olympia-Referendum am 31. Mai 2023, und bis zum 4. Juni müssen alle Bewerber ihre Konzepte beim DOSB einreichen.
Olympische Visionen für Kiel
Die möglichen Sportarten, die in Kiel ausgetragen werden könnten, umfassen nicht nur das Segeln, sondern auch Kite- und Windsurfen, Freiwasserschwimmen, Küstenrudern, Handball und Rugby. Für die Austragung der Wettbewerbe ist eine Modernisierung des Olympiazentrums Schilksee geplant, während das olympische Dorf zwischen Schilksee und Strande (Kreis Rendsburg-Eckernförde) entstehen soll. Die geschätzten Kosten für diese Maßnahmen belaufen sich auf etwa 65 Millionen Euro, die teilweise von Bund und Land getragen werden.
Die Kieler Bevölkerung hat sich klar für die Bewerbung als Segelstandort ausgesprochen, und mit einem Quorum von 19.022 Ja-Stimmen, das mit 35.043 Ja-Stimmen klar überschritten wurde, zeigt sich der Rückhalt für diese Initiative. Trotz einer Wahlbeteiligung von 29,1 Prozent, die von einigen, wie Björn Thoroe von Die Linke, kritisch betrachtet wurde, bleibt die positive Stimmung in der Stadt ungebrochen. Kiel ist bereit, sich erneut auf die große Bühne der Olympischen Spiele zu begeben und seine maritime Tradition weiterzuführen.
Das Warten auf die Entscheidung des DOSB im September könnte für Kiel ein entscheidender Moment werden. Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele und die Möglichkeit, als Gastgeber auftreten zu dürfen, bringt die Bürgerinnen und Bürger der Stadt zusammen. Die Zeit bis zur endgültigen Entscheidung wird mit Spannung erwartet, während Kiel sich weiterhin für die Olympischen und Paralympischen Spiele engagiert.