In den letzten Jahren hat sich die wissenschaftliche Gemeinschaft intensiv mit dem komplexen Thema Long Covid auseinandergesetzt. Einem aktuellen Bericht von NDR zufolge, haben Forscher aus Kiel und Lübeck bedeutende Fortschritte gemacht. Die Untersuchung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zeigt, dass in der Nasenschleimhaut zwei spezifische Botenstoffe, TNFα und TGFβ, nach einer Corona-Infektion eine dauerhafte Entzündung auslösen können.
Diese Entzündungen sind nicht nur unangenehm, sondern können auch ernsthafte und langanhaltende Atemwegsprobleme verursachen, wie etwa Husten, Kurzatmigkeit und Erschöpfung. Da die Symptome auch Monate nach der ursprünglichen Infektion bestehen bleiben können, gestaltet sich die Behandlung von Long Covid oft als äußerst kompliziert.
Molekulare Ursachen und neue Ansatzpunkte
Ein Forscherteam, das sich aus Experten von Borstel, Lübeck und Kiel zusammensetzt, widmet sich der genauen Analyse dieser molekularen Ursachen. Laut der Universität Lübeck, die ebenfalls über diese Erkenntnisse berichtet, hemmen die identifizierten Botenstoffe die Regeneration der schleimhautverbundenen Gewebe und tragen zur Symptomatik des Post-COVID-Syndroms (PCS) bei. Dieses Syndrom betrifft schätzungsweise 3–17 Prozent der Genesenen. Die Behandlungen können durch diese neuen Erkenntnisse gezielter gestaltet werden.
Insgesamt wurden 25 Patientinnen und Patienten untersucht, deren Nasenbiopsien eine strukturelle Veränderung der oberen Atemwegsschleimhaut Monate nach der Infektion zeigten. Diese tiefgehende Analyse wurde im Rahmen der bundesweiten Post-COVID-Kohorte NAPKON vorgenommen und bietet wichtige Perspektiven für künftige therapeutische Ansätze. Die Forschung wird in Kooperation mit den Long Covid Ambulanzen des UKSH fortgesetzt.
Einblick in die Forschung
Die Erkenntnisse aus diesen Studien sind nicht nur für Long Covid Betroffene von Bedeutung. Sie könnten auch bei anderen chronischen Lungenerkrankungen Anwendung finden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Forschungseinrichtungen – wie dem FZB, LIED, UKSH und dem Industriepartner Singleron – hat sich als entscheidend für den Erfolg der Studie erwiesen. Diese Ergebnisse wurden in dem renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht, was die Relevanz und Wahrnehmung dieser Forschung unterstreicht.
Die Entdeckung der Botenstoffe und deren Auswirkungen auf die Nasenschleimhaut stellen einen bedeutenden Schritt in der Erforschung von Long Covid dar. Die Wissenschaftler hoffen, dass die gewonnenen Erkenntnisse bald zu verbesserten Diagnosen und neuen Therapiemöglichkeiten führen werden. Die Herausforderungen verharren, aber die Hoffnung auf Fortschritte bleibt hoch – sowohl für Betroffene als auch für die medizinische Gemeinschaft.