Ein Konzertabend der besonderen Art erlebten die Zuhörer am 3. November 2025 in Kiel, als die Kieler Philharmoniker unter der Leitung von Eckehard Stier das Publikum auf eine musikalische Reise nach Buenos Aires entführten. Mit einem Programm, das die pulsierende Kultur und den neuen Tango der argentinischen Hauptstadt widerspiegelte, zog das Orchester die Gäste in seinen Bann.

Das Konzert begann mit Antonio Vivaldis berühmten „Vier Jahreszeiten“, wo Konzertmeister Dongyoung Lee als Violinist herausragte. Sein sicheres Spiel und die Interaktion mit dem Orchester trugen zur durchgehenden Energie des Abends bei. Der erste Teil des Programms bereitete das Publikum perfekt auf die nachfolgenden Werke vor, die ganz im Zeichen des Tangos standen.

Ein Blick auf die Tangowelt

Das Highlight des Abends stellte die Aufführung von Astor Piazzollas „Estaciones Portenas“ dar, einem der Meisterwerke des neuen Tangos. Piazzolla, der 1921 in Mar del Plata geboren wurde und in New York aufwuchs, revolutionierte den Tango, indem er traditionelle Elemente mit neuen musikalischen Ausdrucksformen verband. So spiegelte seine Musik die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umwälzungen Argentiniens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. Piazzolla erlernte das Spiel auf dem Bandoneón, einem deutschen Knopfakkordeon, und begann seine Karriere in Tangoorchestern, bevor er seinen eigenen Stil entwickelte.

Besonders spannend war die Uraufführung von Leon Zmeltys Stück „Tangueando – Urbane Gezeiten in Buenos Aires“, geboren aus einem Wettbewerb mit sieben talentierten Komponisten. Zmeltys Arbeiten, die die Vielfalt und die Vielschichtigkeit der Stadt einfangen, wurden von der Audience mit viel Applaus honoriert. Seine Musik schaffte es, die urbanen Klänge und dynamischen Stimmungen Buenos Aires lebendig werden zu lassen.

Ein Meister des Tangos und sein Erbe

Alberto Ginasteras „Variaciones Concertantes“ bildete den Schlussakkord des Abends. Auch er hatte einen Prägeprozess in Piazzollas musikalischer Entwicklung durchlaufen, da er Piazzollas erster Kompositionslehrer war. Ginastera, der mit folkloristischen Elementen arbeitete, schuf ein Werk, das nicht nur die technische virtuose Fähigkeit des Orchesters forderte, sondern auch die kulturellen Wurzeln Argentinien in den Vordergrund stellte.

An diesem Abend wurde auch Osvaldo Golijovs „Last Round“ aufgeführt, ein Stück, das als Hommage an Piazzolla gedacht ist. Es kombiniert die drängende Energie des Tangos mit einem modernen Ansatz und ist gleichzeitig eine Ehrung für den Meister des neuen Tangos. Golijovs Werk zeigt, wie zeitlos und kraftvoll Piazzollas Einfluss auf die Musikszene bis heute bleibt.

Das Konzert in der Wunderino-„Philharmonie“ war sehr gut besucht und zeigte einmal mehr, dass die Klänge Buenos Aires‘ auch in Deutschland hohe Wellen schlagen können. Ein voller Erfolg für alle Beteiligten und eine schöne Verbeugung vor der faszinierenden musikalischen Tradition Argentiniens.