Am Sonntag, dem 7. Dezember 2025, wird es in Kiel spannend: Die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters steht bevor. Gerrit Derkowski, ein parteiloser Kandidat, der von CDU und FDP unterstützt wird, tritt gegen Samet Yilmaz von den Grünen an. Nach dem ersten Wahlgang am 16. November, wo Derkowski 28,7% und Yilmaz 24,8% der Stimmen erhielt, ist klar, dass die Wahl am kommenden Sonntag eine Geduldsprobe für beide Kandidaten wird. In einem engen Rennen wird erwartet, dass es auf jede Stimme ankommt.
Samet Yilmaz, der in Kiel-Russee lebt und als Co-Fraktionsleiter der Grünen und promovierter Politikwissenschaftler einen klaren politischen Hintergrund hat, äußert, dass die Wahl knapp werden könnte. Eine seiner größten Herausforderungen wird es sein, die Wähler zur Stimmabgabe zu motivieren. Er sieht seine Verwaltungserfahrung als Vorteil und setzt auf einen offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Mobilität und Stadtbahn im Mittelpunkt
Ein zentrales Thema für beide Kandidaten ist die Frage der Mobilität, insbesondere die umstrittene Stadtbahn. Während Yilmaz den Bau als Fortschritt für die Stadt sieht, ist Derkowski skeptisch und hält die Kosten für zu hoch. Er plant stattdessen ein umfassendes Mobilitätskonzept, das den Ausbau von Busverbindungen und Fährverbindungen umfasst. Beide Kandidaten sind sich jedoch einig, dass ein Bürgerentscheid über das Thema möglich ist. Es bleibt spannend, wie die Wähler dieses Dilemma einschätzen werden.
Die Stadtbahn sollte laut Beschluss der Kieler Ratsversammlung 2018 eingeführt werden, mit dem Ziel, die erste Linie bis 2034 in Betrieb zu nehmen. Yilmaz betont, dass die Kommune nur 10% der Kosten tragen muss, was seine Position stärkt. Auf der anderen Seite möchte Derkowski die Investitionen lieber in Bereiche wie Schulen, Kitas und den Wohnungsbau leiten.
Wirtschaftliche Perspektiven und Wohnungsbau
In der Wirtschaftspolitik haben beide Kandidaten klare Vorstellungen. Derkowski sieht die Notwendigkeit, ausländische Fachkräfte nach Kiel zu ziehen, um eine internationale Community zu fördern. Yilmaz dagegen möchte neue Unternehmen anziehen und sieht großes Potenzial in der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie. Seine Wohnraumoffensive in den ersten 100 Tagen könnte nicht nur den Wohnungsmangel bekämpfen, sondern auch neue Impulse für die lokale Wirtschaft setzen.
Der Kandidat von CDU und FDP unterstützt zudem den sogenannten „Bau-Turbo“, der Genehmigungsverfahren vereinfachen soll. Beide Parteien haben vor der Stichwahl keine Wahlempfehlung abgegeben, was die Wählerfreude anspornen könnte, sich für ihre favorisierten Kandidaten zu entscheiden.
Politische Rahmenbedingungen
Die anstehenden Kommunalwahlen sind Teil eines komplexen politischen Systems, das in Deutschland durch das Grundgesetz geregelt wird. Kommunalwahlen sind ein wichtiges Element der politischen Willensbildung und bieten eine Plattform für lokale Themen. Anders als bei Landtags- oder Bundestagswahlen bleibt die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen häufig niedrig. Doch lokal besprochene Themen wie die Stadtbahn oder der Wohnungsbau könnten die Bürger dazu anregen, ihre Stimme abzugeben.
Der derzeitige Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) übergibt sein Amt im April 2024, und das künftige Stadtoberhaupt wird große Verantwortung in einer sich wandelnden Stadt tragen müssen. Die kommenden Tage sind also entscheidend für die Zukunft Kiels, und die Wähler können mit ihrer Stimme entscheidend gestalten, in welche Richtung sich ihre Stadt entwickeln soll.
Die genauen Ergebnisse der Stichwahl werden mit Spannung erwartet und werden das politische Klima in Kiel für die kommenden Jahre prägen. Bleibt abzuwarten, welcher Kandidat letztlich die Wähler überzeugen kann und ob das versprochene Engagement tatsächlich in Taten umgesetzt wird.
Boyens Medien berichtet über die Stichwahl
NDR informiert über die Kandidaten
Bundeszentrale für politische Bildung erklärt die Kommunalwahlen