In Travemünde, einem malerischen Seebad an der deutschen Ostseeküste, wird es 2023 nur einen einzigen Kreuzfahrtschiffanlauf geben: die „Europa“. Diese Situation spiegelt einen Abwärtstrend wider, der seit 2020 zu beobachten ist, als die Corona-Pandemie die Kreuzfahrtbranche stark traf. Im Jahr 2023 sind nur sieben Anläufe geplant, während es 2022 noch sechs waren und für 2024 nur fünf Anläufe erwartet werden. Im Gegensatz dazu verzeichnen die Ostseehäfen Kiel mit 212 Anläufen und Rostock-Warnemünde mit 161 Anläufen ein bemerkenswertes Wachstum, was den Unterschied zwischen den großen und kleinen Häfen verdeutlicht. Lübeck, die Stadt, die eng mit Travemünde verbunden ist, sieht jedoch keine Notwendigkeit für Maßnahmen angesichts der geringen Anlaufzahlen.
Die Kreuzfahrtgäste verbringen meist nur kurze Zeit in Lübeck und Travemünde und neigen dazu, ohne Übernachtungen wieder abzureisen. Dennoch profitiert Lübeck indirekt von den Anläufen in Kiel, da viele Passagiere Ausflüge in die Stadt unternehmen. Die lokale Tourismusstrategie legt einen klaren Fokus auf Qualitätstourismus und Nachhaltigkeit, um die Lebensqualität der Einwohner nicht zu gefährden. Die Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft äußert Bedauern über die negative Entwicklung der Kreuzfahrten und fragt nach den Ursachen. Kritisiert wird unter anderem die Nutzung des Skandinavienkais, der als unattraktiver Hafen gilt. Phoenix Reisen hat in diesem Zusammenhang die mangelnde Aufwertung des Skandinavienkais und die Handhabung der Anläufe beanstandet, während Hapag-Lloyd Cruises weiterhin an Travemünde als wichtigem Hafen festhält und ab Juli 2024 häufigere Anläufe plant.
Die Zukunft des Kreuzfahrttourismus in Travemünde
Die „Europa“ wird am 26. Juni 2026 in Travemünde erwartet, mit Ankunft um 7 Uhr und Abfahrt um 18 Uhr. Diese Ankunft könnte eine neue Hoffnung für den Kreuzfahrttourismus in der Region darstellen. Der Fokus auf nachhaltige und qualitativ hochwertige Tourismusgestaltung wird durch die Strategie 2030 für die Urlaubsregion Ostsee unterstützt, die sich auf die Schaffung guter Lebens- und Arbeitsbedingungen für Einheimische konzentriert. Diese Strategie berücksichtigt auch die steigenden Ansprüche der Gäste, die zunehmend authentische Erlebnisse in der Lebenswelt der Einheimischen suchen.
Travemünde selbst bietet eine Kombination aus traditioneller Seebadkultur und modernen Freizeitmöglichkeiten. Besucher sind eingeladen, ihre Schuhe auszuziehen und den Strandsand zu spüren, während sie die Strandleben und maritime Sehenswürdigkeiten erkunden. Aktivitäten in der Küstennatur sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Erlebnisses, das Travemünde seinen Gästen bietet. Diese Facetten des Seebads tragen dazu bei, die Attraktivität der Region zu erhöhen und könnten langfristig auch den Kreuzfahrtpassagieren zugutekommen.
Herausforderungen und Chancen im Tourismus
Die Herausforderungen der letzten Jahre sind nicht zu übersehen. Die Corona-Pandemie hat den Tourismusmarkt stark getroffen, und die Auswirkungen sind auch heute noch spürbar. Die Anzahl der Ankünfte in der Region Ostsee Schleswig-Holstein fiel 2020 auf 3,20 Millionen, erholte sich jedoch bis 2022 auf 4,54 Millionen. Auch die Übernachtungszahlen zeigen eine ähnliche Entwicklung. Die neue Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2030, die im April 2022 verabschiedet wurde, legt den Fokus auf qualitative und nachhaltige Entwicklung und zielt darauf ab, die Zufriedenheit von Gästen, Einheimischen und Mitarbeitenden zu fördern.
In Anbetracht der Biodiversitätskrise und des Klimawandels ist es unerlässlich, Verantwortung für eine ökologisch ausgerichtete Tourismusentwicklung zu übernehmen. Partizipationsprozesse in Hochfrequenzregionen wurden gestartet, um den Tourismus im Dialog mit den Einheimischen zu gestalten. Die Stärkung von Tourismusakzeptanz und -bewusstsein ist von großer Bedeutung, um die künftigen Herausforderungen erfolgreich zu meistern.
Insgesamt zeigt sich, dass Travemünde und Lübeck vor einer spannenden Zeit stehen, in der die Balance zwischen Tourismus und Lebensqualität der Einheimischen eine zentrale Rolle spielt. Die Entwicklungen im Kreuzfahrttourismus könnten sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Region mit sich bringen und erfordern einen kontinuierlichen Dialog zwischen den Akteuren vor Ort.
Für weitere Informationen zu den touristischen Angeboten in Travemünde besuchen Sie bitte die offizielle Seite Travemünde Tourismus. Für eine detaillierte Analyse der aktuellen Situation im Kreuzfahrttourismus werfen Sie einen Blick auf den Artikel von LN Online hier. Um mehr über die strategischen Perspektiven für den Tourismus in der Region Ostsee Schleswig-Holstein zu erfahren, besuchen Sie diese Seite.