Die Marschbahn zwischen Itzehoe und Sylt steht vor einer bedeutenden Transformation: Die Elektrifizierung der Strecke, die bis Anfang der 2030er-Jahre abgeschlossen sein soll, verspricht nicht nur eine umweltfreundlichere Mobilität, sondern bringt auch Herausforderungen mit sich, insbesondere im Hinblick auf den Schutz der Fledermäuse. Diese geschützten Tiere, die in Schleswig-Holstein und ganz Europa unter Artenschutz stehen, benötigen spezielle Quartiere, die vor Beginn der Bauarbeiten gefunden werden müssen. Laut einer Quelle sind Fledermäuse nicht nur schützenswert, sondern auch besonders anfällig für menschliche Eingriffe, da sie eine niedrige Reproduktionsrate aufweisen – meist bringt ein Weibchen pro Jahr nur ein Jungtier zur Welt.

Annelie Otten von der Gesellschaft für Freiland, Ökologie und Naturschutzplanung (GFN) hat die Aufgabe, die Umgebung der Marschbahn auf mögliche Fledermausquartiere zu untersuchen. Insgesamt müssen 117 Brücken und Tausende von Bäumen entlang der Strecke auf ihre Bewohnbarkeit für Fledermäuse überprüft werden. Bis September müssen 42 dieser Brücken und Bäume in einem 25-Meter-Bereich von der Strecke kartiert werden. Bei Entdeckung eines Quartiers könnte dies die Bauplanung erheblich beeinflussen, da entweder umgeplant oder neue Quartiere geschaffen werden müssen. Die Landesregierung und Umweltorganisationen haben in diesem Zusammenhang bereits über den Schutz der Fledermäuse verhandelt.

Umweltuntersuchungen und Finanzierung

Die Kosten für die Elektrifizierung der Marschbahn belaufen sich auf rund 300 Millionen Euro, wobei das Land Schleswig-Holstein die Umweltuntersuchungen mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag finanziert. Diese umfassen nicht nur die Kartierung der Fledermausquartiere, sondern auch die Erfassung von Flora und Fauna entlang der Strecke. Bisher liegen die Kartierungen im Zeitplan, was für die Projektverantwortlichen eine positive Nachricht ist. DB Engineering & Consulting sowie GfN mbH haben den Zuschlag für den Abschnitt Itzehoe-Heide erhalten und arbeiten eng zusammen, um den Umbau der Strecke voranzutreiben.

Interessanterweise ist die Elektrifizierung der Marschbahn Teil eines größeren Trends, bei dem die Deutsche Bahn auch in anderen Projekten aktiv Lebensräume für Fledermäuse schafft. Eine Quelle berichtet von verschiedenen Initiativen, bei denen alte Gebäude und Unterführungen für Fledermäuse umgestaltet wurden, um ihnen neue Lebensräume zu bieten. So wurde beispielsweise eine alte Ziegelei in Mecklenburg-Vorpommern in ein Hotel für Mopsfledermäuse umgebaut.

Fledermausmonitoring und Naturschutz

Das Monitoring der Fledermäuse gestaltet sich aufgrund der unterschiedlichen Lebensraumansprüche der verschiedenen Arten als komplex. Fledermäuse leben in Bäumen, unter Brücken oder in Gebäuden, und ihre Lebensräume ändern sich je nach Jahreszeit. Um den Naturschutz zu gewährleisten, markiert die Deutsche Bahn Bäume, die aus forstlicher Nutzung herausgenommen werden, um sicherzustellen, dass diese als Wohnraum für Fledermäuse erhalten bleiben. In Schleswig-Holstein wurden zudem Fledermauskästen an Stellwerksgebäuden installiert, um den Verlust eines Quartiers auszugleichen.

Mit der geplanten Elektrifizierung der Marschbahn wird ein weiteres Mal deutlich, wie wichtig der Ausgleich zwischen Infrastrukturentwicklung und Naturschutz ist. Es bleibt abzuwarten, wie die Umweltuntersuchungen ausgehen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die kleinen fliegenden Säugetiere zu schützen, während gleichzeitig ein modernes Verkehrssystem geschaffen wird.