In Süsel, einer charmanten Gemeinde in Ostholstein, regt sich etwas Neues. Die Einwohner haben sich zusammengetan, um einen Dorftreff zu planen, und der Ort der Wahl ist der ehemalige St.-Laurentius-Kindergarten am Pastor-Dr.-Fuchs-Weg. Angesichts des Fehlens eines Supermarktes, eines Restaurants oder eines öffentlichen Treffpunkts in der Gegend ist die Initiative umso entscheidender. Rund 75 Bürgerinnen und Bürger nahmen an einer ersten Informationsveranstaltung im ehemaligen Gebäude teil, um ihre Ideen und Wünsche auszutauschen. Yvonne Andermann, die Vorsitzende des Süseler Seniorenparlaments, steht an der Spitze dieser Bewegung, unterstützt von Annette Neumann, Silke Harder, Katja Patzer und der SPD-Gemeindevertreterin Swantje Meininghaus.
Die Diakonie Ostholstein hat das 460 Quadratmeter große Gebäude von der Kirche erworben und plant, dort Tagespflege für bis zu 15 Gäste anzubieten. Für die Nutzung des ehemaligen Kindergartens, von dem etwa 160 Quadratmeter für den Dorftreff zur Verfügung stehen, wird eine Kaltmiete von 12 Euro pro Quadratmeter angestrebt, was monatlich auf etwa 1920 Euro hinausläuft. Die jährlichen Einnahmen des angestrebten Trägervereins könnten zwischen 25.000 und 30.000 Euro liegen, was einer nachhaltigen Finanzierung des Projekts entsprechen würde. Der geplante Monatsbeitrag für die Mitglieder liegt bei günstigen 5 Euro.
Engagement der Bürger
Besonders bemerkenswert ist das Engagement der Dorfbewohner. Über 60 Bürger haben bereits für die Gründung eines Trägervereins unterschrieben und ihre Unterstützung zugesichert. Auch die Gemeindevertretung zeigt Interesse an der Schaffung eines solchen Vereins, um sicherzustellen, dass der Dorftreff langfristig funktionieren kann. Die Dorfvorsteherin Brigitte Sandkamp hat alle Bürger:innen dazu aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen und ihre Ideen einzubringen.
Das Interesse an der Nutzung der neuen Räume ist groß, nicht nur für den Dorftreff. Die Volkshochschule sowie das Seniorenparlament haben bereits angefragt, ob sie ebenfalls Räumlichkeiten nutzen können. Zudem haben Interessierte von extern, wie beispielsweise von einer Physiotherapeutin aus Eutin, ihre Kooperation angeboten. Ein vielseitiges Angebot von Spielenachmittagen bis hin zu Aktionen von Ergotherapeuten wird bereits eruiert.
Finanzierung und Zukunftsperspektive
Ein wesentliches Hindernis bleibt jedoch. Die Gemeinde kann sich das Projekt aktuell finanziell nicht leisten, was die Dorfbewohner zwingt, sich stärker einzubringen. Initiatorinnen und Initiatoren möchten in der kommenden Woche prüfen, ob alle Vorstandsposten im neu gegründeten Trägerverein besetzt werden können. Sie sind optimistisch, dass mit breiter Zustimmung aus der Bevölkerung der Verein schnell auf die Beine gestellt werden kann. Zur Gewinnung neuer Mitglieder wurde sogar eine Liste ausgelegt, und eine Briefkastenaktion zur Verteilung von Zustimmungskarten wird ebenfalls geplant.
Wie die Diakonie Ostholstein berichtet, stehen Fördermittel von der Aktivregion zur Verfügung, die zur Sanierung des gesamten Gebäudes verwendet werden können – ein Projekt, das mit Kosten von rund 1,2 Millionen Euro veranschlagt wird. Die vom Pastor geäußerte Problematik, dass es im Dorf kein Café für Trauergesellschaften gibt, zeigt, dass der Bedarf an einem solchen Treffpunkt enorm ist.
Die engagierte Gemeinschaft in Süsel zeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn alle zusammenarbeiten. Und vielleicht kann dieser Dorftreff nicht nur ein Ort der Begegnung sein, sondern auch ein Herzstück für das gesamte Dorf.