Der Lehrkräftemangel in Deutschland ist ein drängendes Problem, das viele Bundesländer betrifft. Besonders in Schleswig-Holstein ist der Bedarf an Lehrkräften in bestimmten Fächern wie Kunst, Musik und MINT, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, deutlich spürbar. Die Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) hat nun einen Plan vorgestellt, um diesem Mangel entgegenzuwirken. In Zukunft sollen Aushilfslehrkräfte mit einem Bachelor-Abschluss die Möglichkeit erhalten, direkt in den Schuldienst einzutreten. Aktuell unterrichten bereits 3.826 Aushilfslehrkräfte an Grund- und Gemeinschaftsschulen, jedoch oft nur mit kurzfristigen Verträgen.
Für eine dauerhafte Anstellung benötigen Lehrer in der Regel einen Master-Abschluss im Lehramt sowie ein Referendariat. Mit dem neuen Direkteinstieg erhalten Aushilfen die Chance auf einen Festvertrag sowie eine fünfjährige Qualifikation, die mit einer Aussicht auf Verbeamtung verbunden ist. Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich des möglichen Qualitätsverlustes an Schulen, da Direkteinsteiger in der Regel ein niedrigeres Gehalt (A12 statt A13) und eingeschränkte Aufstiegschancen haben. Die Gewerkschaft GEW hat bereits Kritik geübt und ein Duales Studium vorgeschlagen, um die Qualität der Lehrkräfte zu sichern.
Der Lehrkräftebedarf in Schleswig-Holstein
Schulleiter Andreas Waldowiski berichtet von Schwierigkeiten, ausgebildete Kunstlehrkräfte zu finden. Die positive Rückmeldung von Schülern an Aushilfslehrkräften wie Anne Lamsbach, die sich über den Direkteinstieg qualifizieren möchte, zeigt jedoch, dass alternative Wege zur Sicherstellung des Unterrichts auch Chancen bieten können. Das neue Gesetz zur Lehrkräftegewinnung soll voraussichtlich vor dem Sommer im Landtag verabschiedet werden und ab dem 1. August in Kraft treten.
Ein weiterer Aspekt im Kampf gegen den Lehrkräftemangel ist die Einführung eines Quereinstiegs-Masters für Bachelorabsolventen in den Fächern Kunst, Mathematik und Informatik, der ab dem Wintersemester 2025/26 starten soll. Dies ist Teil des IV. Pakets zur Lehrkräftegewinnung, das darauf abzielt, finanzielle Anreize zu setzen und den Schuldienst für neue Zielgruppen zu öffnen. Die Studierendenzahlen im Lehramt steigen bereits deutlich: Waren es im Wintersemester 2012/13 noch 4.183 Lehramtsstudierende, so sind es im Wintersemester 2023/24 bereits 7.099 – ein Anstieg von fast 70%.
Die Herausforderungen des Lehrkräftemangels
Die Situation in Schleswig-Holstein spiegelt ein bundesweites Problem wider. Laut der Kultusministerkonferenz (KMK) wird für 2024 ein Mangel von über 17.400 Lehrkräften prognostiziert. In manchen Bundesländern wurden im Jahr 2024 fast 50% der Einstellungen mit Personen ohne formale Lehramtsausbildung vorgenommen. Daher ist die Notwendigkeit, Quereinsteiger zu gewinnen, evident. Dies wird durch die steigenden Schülerzahlen, die bis 2035 um über 9% ansteigen sollen, zusätzlich verstärkt.
Auch in den östlichen Bundesländern, insbesondere in Sachsen-Anhalt und Thüringen, steht eine Pensionierungswelle bevor, die zu einem hohen Bedarf an Neueinstellungen führen wird. Die Herausforderungen sind vielfältig: Neben der Schließung von Corona-bedingten Lernlücken und der Zunahme von Schülern, die die Hochschulreife erlangen, spielt auch die Zuwanderung eine Rolle, die zusätzlichen Bedarf an Lehrkräften schafft.
Insgesamt ist der Lehrkräftemangel nicht nur ein Problem Schleswig-Holsteins, sondern betrifft ganz Deutschland. Die länderübergreifende Koordination in der Lehrerausbildung ist notwendig, um den langfristigen Bedarf an qualifizierten Lehrkräften zu decken und gleichzeitig die Qualität der Ausbildung zu gewährleisten. Die Zukunft der Bildung in Deutschland hängt entscheidend von der Fähigkeit ab, angemessen auf diese Herausforderungen zu reagieren.