Schleswig-Holstein sieht sich einem spürbaren Lehrkräftemangel gegenüber, besonders in den Fächern Kunst, Musik sowie in MINT-Disziplinen wie Informatik. Während die Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) aktiv gegensteuert und plant, Aushilfslehrkräften mit Bachelor-Abschluss den Direkteinstieg in den Schuldienst zu ermöglichen, sind die Herausforderungen jedoch zahlreich. Aktuell unterrichten 3.826 Aushilfslehrkräfte in Grund- und Gemeinschaftsschulen, die oft nur über kurze Verträge verfügen. Ein Festvertrag könnte Aushilfen nicht nur mehr Sicherheit geben, sondern auch eine fünfjährige Qualifikation ermöglichen, die schließlich zur Verbeamtung führen könnte, wie NDR berichtet.

Die gesetzlichen Änderungen, die voraussichtlich vor dem Sommer im Landtag verabschiedet und ab dem 1. August 2026 wirksam werden sollen, würden diese Lehrerinnen und Lehrern einen Direkteinstieg in die Schulen ermöglichen. Allerdings wäre das Gehalt für diese sogenannten Direkteinsteiger niedriger (A12 statt A13), weshalb die Gewerkschaft GEW bereits Kritik geäußert hat und ein Duales Studium vorschlägt.

Hintergrund und Einschätzungen

Die Problematik des Lehrkräftemangels ist in Deutschland weit verbreitet. In vielen anderen Bundesländern, wie beispielsweise Brandenburg und Sachsen-Anhalt, mussten 2024 ein Viertel bis fast die Hälfte der neu eingestellten Lehrkräfte ohne formale Lehramtsausbildung eingestellt werden, was vor allem auf einen anhaltenden Fachkräftemangel zurückzuführen ist. Die Kultusministerkonferenz (KMK) schätzt einen bundesweiten Mangel von über 17.400 Lehrkräften im Jahr 2024, welcher in den nächsten Jahren nur langsam abgebaut werden kann. Ein Überhang an Lehrkräften könnte erst 2033 erwartet werden, so Statista.

Die Landesregierung von Schleswig-Holstein hat jedoch auch positive Entwicklungen verzeichnet. Die Studierendenzahlen im Lehramt sind gestiegen: Während im Wintersemester 2012/13 noch 4.183 Lehramtsstudierende eingeschrieben waren, beläuft sich die Anzahl für das Semester 2023/24 auf 7.099. Dies ist ein Anstieg von fast 70%. Auch die Anzahl der Absolventen ist mit 911 im Jahr 2023 gestiegen, wie Landesregierung Schleswig-Holstein festhält.

Zukunftsaussichten und weitere Maßnahmen

Um noch mehr Lehrkräfte anzuwerben, gibt es auch andere Initiativen. Der Bildungsminister plant die Einführung eines Quereinstiegs-Masters für Bachelorabsolventen in Mangelbereichen, darunter Kunst, Mathematik und Informatik zum Wintersemester 2025/26. Auch das Angebot für Berufsschullehrkräfte, dauerhaft an Gemeinschafts- oder Grundschulen unterrichtet zu werden, stellt einen weiteren Schritt in die richtige Richtung dar.

Mit der Einführung von 215 neuen Studienplätzen, die auf 265 aufgestockt wurden, und eines Doppelfach-Studiengangs in Mathematik und Informatik an der CAU, wird versucht, die Lehrkräftegewinnung entscheidend zu fördern. Die Pläne sind Teil eines umfassenden Pakets zur Lehrkräftegewinnung, das die Landesregierung konsequent verfolgt.

Die Frage bleibt, ob diese Maßnahmen den massiven Lehrkräftemangel in naher Zukunft tatsächlich lösen können. Die Landesregierung muss hier am Ball bleiben, um die Bildungsmöglichkeiten nicht allein den Umständen zu überlassen.