Die Wohnungsnot in Deutschland hat längst auch die ländlichen Regionen erfasst. So stiegen in Nordfriesland die Angebotsmieten seit 2015 um mindestens 50%. Dies berichtet NDR. Insbesondere auf den beliebten Inseln Sylt, Föhr und Amrum blieb die Preissteigerung mit knapp unter 50% nur geringfügig darunter. Ein durchschnittlicher Mietpreis von 6 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2015 hat sich mittlerweile auf beeindruckende 9,80 Euro erhöht.

Die Gründe für diese Preisanstiege sind vielfältig: Anhaltend hohe Baukosten und eine Rückkehr zur Landflucht sorgen für einen Nachfrageboom. Bis zu 50% der Orte in Schleswig-Holstein mit weniger als 5.000 Einwohnern verzeichnen einen deutlichen Bevölkerungszuwachs. Der Kreis Nordfriesland allein erwartet in den nächsten 15 Jahren einen Anstieg um bis zu 10.000 Einwohner. Trotz der hohen Nachfrage kann die Plattform „Wohneck“, die Wohnungen in Nordfriesland vermittelt, die Nachfrage nicht decken, was zeitweise zu Aufnahmestopps führt.

Neue Bauprojekte auf dem Weg

Um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, sind bereits Bauprojekte in Planung. In Bredstedt sollen Mehrfamilienhäuser mit Mikrowohnungen errichtet werden. Bürgermeister Christian Schmidt (CDU) ist auf der Suche nach Investoren, damit insbesondere Ein- und Zwei-Personenhaushalte bezahlbaren Wohnraum finden können. Seine Anstrengungen sind notwendig, denn in und um Schleswig fehlen bis 2031 mehr als 3.100 neue Wohneinheiten. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, hat sich die Kommune mit zwölf umliegenden Gemeinden zusammengeschlossen, um den Wohnraumbedarf gemeinsam zu decken.

Aber nicht nur in Schleswig-Holstein ist die Lage angespannt. Auch bundesweit ist der Wohnraummangel ein drängendes Problem. Laut einer Studie im Auftrag des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“ fehlen erstmalig gut 550.000 Wohnungen. Der Wohnraumbedarf steigt vor allem aufgrund der hohen Zuwanderungszahlen in den letzten Jahren, während gleichzeitig viele Mietwohnungen leerstehen. Dageschätzte 1,9 Millionen Wohnungen standen zu einem Zensus im Mai 2022 leer. Besonders in Großstädten wie Hamburg und Berlin ist die Leerstandsquote ernüchternd.

Mieten steigen in allen Regionen

Besonders auffällig sind die Mietpreise in städtischen Regionen. So beträgt die durchschnittliche Erst- bzw. Wiedervermietungsmiete in Köln bereits 13,44 Euro, in München sogar 20,59 Euro pro Quadratmeter. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist das ein Anstieg, der vielen Mieterhaushalten Kopfzerbrechen bereitet. Rund 52% der deutschen Bevölkerung lebt zur Miete. Das bedeutet, dass viele Haushalte schon jetzt über 28% ihres Einkommens für die Miete ausgeben.

Der Wohnraummangel wird durch eine rückläufige Bautätigkeit weiter verschärft. Während die Bundesregierung plant, jährlich 400.000 Neubauten zu errichten, lieferte die Realität 2023 nur 294.400 Wohnungen. Zu den Gründen gehören die steigenden Zinsen, hohe Baukosten und langwierige Genehmigungsverfahren. Auch die Zahl der Sozialwohnungen ist seit den 1990er Jahren stark gesunken, was die Situation der Mieter weiter verschärft.

Es wird also deutlich: Da liegt was an! Die Herausforderungen sind groß, aber die Kommunen und die Landesregierungen sind gefordert, Lösungen zu finden, damit für alle ein Dach über dem Kopf möglich bleibt.

Quellen: NDR, bpb.