Am 10. November 2025 wird in den Städten Bad Segeberg und Norderstedt an die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erinnert. An diesem Tag verloren viele jüdische Menschen nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre Hoffnung auf eine friedliche Zukunft in Deutschland. Das Gedenken umfasst sowohl eine Kranzniederlegung als auch kulturelle Veranstaltungen.
In Bad Segeberg versammelten sich Vertreter der Stadt sowie Mitglieder der Jüdischen Gemeinde am Gedenkort der „Alten Synagoge“ in der Lübecker Straße, um einen Kranz niederzulegen und so den Opfern zu gedenken. Hierbei wird nicht nur der Verlust der Gemeinschaft betrauert, sondern auch die lehrreiche Erinnerung an die dunklen Kapitel der Geschichte wachgehalten. Schneidend ist dabei die Erinnerung an die Zerstörung von über 1.400 Synagogen und mehr als 7.000 Geschäften während der Pogrome, wie es Wikipedia schildert.
Ein kultureller Abend in Norderstedt
Zum gleichen Zeitpunkt findet im Paul-Gerhardt-Gemeindezentrum in Norderstedt ein Kulturabend statt, dessen Motto „Singt ojf Jiddisch!“ dem Erbe und der Kultur der jüdischen Gemeinschaft gewidmet ist. Diese Veranstaltung bietet nicht nur musikalische Darbietungen, sondern auch Raum für Diskussionen über die Herausforderungen, die jüdische Menschen heute in unserer Gesellschaft erleben. Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack äußerte im Vorfeld des Gedenktages ihre Besorgnis über die wieder zunehmende Furcht, in der Juden leben müssen. In ihrer Ansprache betonte sie die Relevanz solch öffentlicher Gedenkveranstaltungen.
Die Reichspogromnacht selbst gilt als Wendepunkt in der nationalsozialistischen Politik gegenüber den Juden und wird heute als Vorläufer des Holocaust betrachtet. Der Begriff „Kristallnacht“, der von den zerbrochenen Fenstern jüdischer Geschäfte stammt, wird immer wieder kritisch hinterfragt, da er die Gewalttaten und deren Ausmaß nicht angemessen widerspiegelt. Zu den Ereignissen, die zu dieser Nacht führten, gehörte die Ermordung des deutschen Diplomaten Ernst vom Rath durch den Polen Herschel Grynszpan, was die Nationalsozialisten als Vorwand für die Pogrome nutzten. Die damalige Gewalt wurde nicht nur von der Partei organisiert, sondern auch von Handlangern aus der Zivilbevölkerung ausgeführt, während die Polizei nicht eingriff, außer in wenigen Ausnahmefällen, berichtet NDR.
Gedenken und Lehren aus der Geschichte
Die Bedeutung dieser Mahnmale liegt nicht nur in der Erinnerung, sondern auch in der Aufklärung und dem Einsatz gegen Antisemitismus, der trotz der Lehren aus der Vergangenheit leider in verschiedenen Formen weiterhin existiert. Gedenkveranstaltungen wie diese sind notwendige Bausteine im Kampf gegen das Vergessen und die Normalisierung von Vorurteilen.
Die aktuelle Situation erfordert unser Engagement, denn wie die Ereignisse von 1938 zeigen, kann die Kombination aus Hass und Untätigkeit verheerende Folgen haben. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, sowohl die Geschichte zu bewahren als auch aktiv für Toleranz und ein respektvolles Miteinander einzutreten. Einmal mehr wird deutlich: Das Gedenken ist ein lebendiger Prozess, der uns fordert, heute und in Zukunft wachsam zu bleiben.