Die Diskussion über die Arbeitszeiten in Deutschland wird wieder lauter. Einige Stimmen erheben sich, um zu überlegen, ob es Zeit für eine Reform der Feiertagsregelungen ist. Kritiker argumentieren, dass die Vielzahl an Feiertagen die Produktivität des Landes hemmt. Insbesondere Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin von Trumpf, bringt einen gewagten Vorschlag ins Spiel: Sie plädiert dafür, den Ostermontag zu streichen, um Industriearbeitsplätze zu sichern. Laut ihren Aussagen hat Deutschland nicht nur viele Feiertage, sondern auch im Schnitt die meisten Krankheitstage, was die Wirtschaft belasten könnte. Chip berichtet, dass der Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, ebenfalls Streichkandidaten für kirchliche Feiertage nennt.

Doch was bedeutet das für die Beschäftigten? Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) sieht grundsätzlich Feiertage als beschäftigungsfrei vor, jedoch nicht für alle Berufe. Viele, darunter Ärzte, Polizeibeamte, Restaurantbetreiber und Hotelmanager, sind gezwungen, an Feiertagen zu arbeiten. Arbeitsvertrag.org erklärt, dass Arbeitnehmer, die an einem Feiertag arbeiten müssen, Anspruch auf einen Ersatzruhetag haben, wenn der Feiertag auf einen Werktag fällt. Das heißt, die Beschäftigten, die während dieser Tage im Einsatz sind, haben einige Rechte, die sie schützen sollen.

Kritik und Herausforderungen

Eine weitere Herausforderung kommt vom Deutschen Gewerkschaftsbund Bayern (DGB Bayern), der argumentiert, dass Angestellte an Feiertagen, die auf ein Wochenende fallen, einen freien Tag verlieren. Der DGB Bayern fordert deshalb, dass der ausgefallene Tag am nächsten Werktag nachgeholt wird. Solche Regelungen sind nicht neu; in zahlreichen Ländern wie Großbritannien, den USA oder Polen sind sie gängige Praxis.

Die Feiertagsregelungen sind allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober ist der einzige einheitlich gesetzlich festgelegte Feiertag in Deutschland. Alle Bundesländer haben jedoch acht weitere Feiertage gemeinsam, darunter Neujahr, Tag der Arbeit sowie die Weihnachtsfeiertage. Statista führt aus, dass Bayern und Baden-Württemberg mit jeweils 12 Feiertagen die meisten haben, während viele andere Bundesländer mit 10 Feiertagen auskommen müssen.

Ein Blick auf die Feiertagskultur

Die hohen Urlaubsansprüche in Deutschland sind unbestritten. Viele nutzen die Feiertage jedoch vor allem, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Weihnachten und Ostern sind dabei die beliebtesten Feiertage. Interessanterweise gibt es auch regionale Besonderheiten, wie den Weltfrauentag, der in Berlin 2019 eingeführt und in Mecklenburg-Vorpommern seit 2023 anerkannt ist. Hier wird der Feiertag genutzt, um auf Gleichberechtigung aufmerksam zu machen und die Stimme für Frauenrechte zu erheben.

Mit den drohenden Reformvorschlägen stehen die Feiertage erneut im Fokus. Werden einige von ihnen tatsächlich zur Disposition stehen, könnten sich die Arbeitswelten in Deutschland erheblich verändern. Solch eine Diskussion erfordert viel Fingerspitzengefühl. So wird sich zeigen, ob die Stimmen für den Erhalt der Feiertage lauter werden als die Argumente für weniger Feiertage und mehr Arbeitskraft.