Die deutsche Wirtschaft steht vor einem anspruchsvollen Jahr 2025, das von politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt ist. Besonders die Familienbetriebe in den Bereichen Präzisionstechnologie, Porzellanherstellung und Weinproduktion sind gefordert. In Orten wie Waldbrunn, Balingen und Lübeck wird Präzisionstechnologie gefertigt, während Porzellan in Thüringen gebrannt wird und in der Pfalz der Wein geerntet wird. Diese Unternehmen, oft in Familienhand und seit Generationen etabliert, gelten als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, erhalten jedoch deutlich weniger politische Aufmerksamkeit im Vergleich zu Großkonzernen. Eine aktuelle Reportage von ARD-Reporter Klaus Scherer beleuchtet die Herausforderungen, mit denen fünf CEOs dieser Unternehmen konfrontiert sind.
Im Jahr 2025 müssen sich die Geschäftsführer, darunter Simone Mosca von MOSCA, Andreas Kraut von BIZERBA und Sebastian Pohl von GREIF-VELOX, auf äußere Umstände einstellen. Diese umfassen nicht nur die explodierenden Energiepreise und die ungewisse Stimmungslage im Inland, sondern auch den Zollkrieg mit den USA unter Präsident Donald Trump. Die CEOs stehen vor der Frage, ob sie härter mit Kunden verhandeln, Gewinnmargen schmälern oder Ersatzmärkte finden sollen. Die Unterscheidung zwischen harten Fakten und psychologischen Aspekten wird hierbei zu einem entscheidenden Faktor.
Wirtschaftliche Auswirkungen der US-Zölle
Die Lage wird durch die stagnierende Wirtschaftsleistung in Deutschland nicht einfacher. Arbeitgeber fordern von der Politik spürbare Entlastungen und Reformen zur Belebung der Konjunktur. Ein Zoll-Deal zwischen der EU und den USA, der im Juli 2025 vereinbart wurde, sieht einen Zollsatz von 15 Prozent auf alle EU-Exporte in die USA vor. Laut einer Studie des Münchener Ifo-Instituts werden die deutschen Exporte in die USA durchschnittlich um 15 Prozent sinken, was insbesondere die Auto- und Maschinenbauer hart treffen wird. Die Exporte der Autoindustrie könnten um 22 Prozent und die der Maschinenbauer sogar um 30 Prozent zurückgehen. Die Studie zeigt zudem, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt durch den Zoll-Deal um 0,13 Prozent negativ beeinflusst wird.
Die Handelsabkommen mit anderen großen Staaten könnten jedoch helfen, die Verluste zu kompensieren. Die EU verhandelt bereits mit Ländern wie Indien, Australien und den Mercosur-Staaten. Einfache Handelsabkommen könnten das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 0,24 Prozent steigern, während tiefere Abkommen sogar eine Steigerung von 0,52 Prozent bewirken könnten. Dies könnte auch die Widerstandsfähigkeit der deutschen Lieferketten verbessern.
Die US-amerikanische Handelspolitik und ihre Folgen
Die Neuausrichtung der US-Handelspolitik zu Beginn des Jahres 2025 hat die Situation zusätzlich verschärft. Die Zollerhöhungen auf EU-Waren, die von durchschnittlich 2 Prozent auf mindestens 15 Prozent gestiegen sind, erschweren das Außenhandelsgeschäft deutscher Unternehmen erheblich. Dies führte dazu, dass die deutschen Exporte in die USA von Januar bis November 2025 um rund 15 Milliarden Euro sanken. China hat mittlerweile die USA als wichtigsten Handelspartner Deutschlands abgelöst. Die DIHK berichtet von einem durchschnittlichen Investitionsbestand deutscher Unternehmen in den USA, der bei 529 Milliarden Euro liegt, jedoch brachen die Investitionen 2025 um die Hälfte ein.
Die Unsicherheit im US-Geschäft bleibt bestehen, insbesondere aufgrund anhaltender Zolleskalationen. Neue Zölle auf Lkw und andere Produkte sind angekündigt, und sektorale Sonderuntersuchungen könnten zusätzliche Handelsbeschränkungen nach sich ziehen. Die EU hat sich zwar mit den USA auf Zölle von 15 Prozent geeinigt, während sie eigene Industriezölle abbaut, doch die Diskussion über die Ratifizierung dieser Zolleinigung im Europäischen Parlament bleibt angespannt.
Insgesamt zeigt sich, dass die deutsche Wirtschaft vor einer Reihe von Herausforderungen steht, die nicht nur politischer, sondern auch wirtschaftlicher Natur sind. Die Zukunft wird zeigen, wie Unternehmen und Politik gemeinsam Lösungen finden, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auch in schwierigen Zeiten zu sichern.