US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Politik im Energiesektor eine Welle der Unsicherheit ausgelöst, von der insbesondere der russische Energiekonzern Lukoil betroffen ist. Das Unternehmen steht vor einer schweren Krise und könnte allein durch den Verlust eines wichtigen Ölfelds im Irak einen Schaden von bis zu 14 Milliarden Euro erleiden. Seine Beteiligung an West-Qurna-2, die 75 % des Ölfelds ausmacht und etwa 9 % der gesamten irakischen Ölproduktion liefert, wird durch die Sanktionen und das Einfrieren der Zahlungen der irakischen Regierung bedroht. Grund dafür ist eine neue Sanktionsreihe, die Trump Ende Oktober 2023 verhängt hat, um Druck auf den Kreml auszuüben. Lukoil hat bereits die Ölförderung im Irak eingestellt und seine Förderanlagen laufen nur noch im Notbetrieb, was täglich einen Einnahmeverlust von bis zu 42 Millionen US-Dollar bedeutet.

Die irakische Regierung hat alle Zahlungen aus West-Qurna-2 eingestellt und erklärt, dass sie keine Transaktionen mit sanktionierten Firmen durchführen darf. Lukoil hat daraufhin „Force Majeure“ erklärt, um rechtlichen Schutz vor Vertragsstrafen zu suchen. Sollte der Streit mit der irakischen Regierung nicht binnen sechs Monaten gelöst werden, plant das Unternehmen, das Land zu verlassen. Ein solcher Rückzug würde nicht nur zu erheblichen finanziellen Verlusten führen, sondern auch den Anlagewert massiv beeinträchtigen.

Ein unvergängliches Erbe?

Die historischen Wurzeln von Lukoil und die Auswirkungen der Sanktionen gehen Hand in Hand. Vagit Alekperow, der frühere Vorstand von Lukoil, ist ebenfalls von den Sanktionen betroffen. Er trat 2022 von seinem Posten zurück und sein Vermögen wird aktuell auf 28,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Infolge der Sanktionen, die nun im November 2025 in Kraft treten, wird erwartet, dass Lukoil stärker betroffen sein wird als sein Rivale Rosneft, der über mehr Möglichkeiten für den Öltransport nach China verfügt. Während Lukoil vor allem per Schiff exportiert, kann Rosneft seine Öllieferungen über Pipelines sichern.

Die bereits eingeleitete Übernahme einer Lukoil-Raffinerie in Bulgarien könnte ein weiteres Indiz für den anhaltenden Druck auf den Konzern sein. Ein entsprechender Gesetzesentwurf sieht vor, die Kontrolle über die Raffinerie in Burgas an einen staatlichen Verwalter zu übertragen. Die Situation für Lukoil verschärft sich, da das Unternehmen voraussichtlich auch Indien und China als potenzielle Abnehmer für russisches Öl verlieren könnte, da auch diese Länder sich von Lukoil distanziert haben.

Der globale Energiemarkt im Umbruch

Mit der Einstellung der Ölförderung im Irak und den drakonischen Sanktionen sieht sich der russische Energiesektor mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Lukoil plant, seine internationalen Assets abzustoßen, um einen gewissen finanziellen Spielraum zu gewinnen. Schätzungen zufolge sind die ausländischen Vermögenswerte des Unternehmens über 20 Milliarden US-Dollar wert. Der Vorschlag, die Vermögenswerte an den Schweizer Konzern Gunvor zu verkaufen, wurde jedoch durch die Sanktionen vereitelt, da das US-Finanzministerium keine Lizenz für diese Transaktion erteilt hat.

Die globalen Ölpreise und der Markt insgesamt stehen unter Druck. Sanktionen und geopolitische Spannungen machen es Unternehmen schwer, ihre Geschäftstätigkeit aufrechtzuerhalten. Lukoil und Rosneft, gemeinsam verantwortlich für etwa 50 % der russischen Produktionskapazitäten, sehen sich direkt mit einem Rückgang der Exporteinnahmen konfrontiert. Trotz seiner umfangreichen internationalen Präsenz und zahlreicher Raffinerien in Europa könnte Lukoil schnell ins Hintertreffen geraten, wenn sich die Lage nicht rasch ändert.

Insgesamt bedeutet der Kurswechsel der US-Politik für Lukoil und den gesamten russischen Energiesektor einen harten Schlag, der die nächsten Wochen und Monate entscheidend prägen könnte. Die Frage bleibt, wie die russische Wirtschaft auf diese Herausforderungen reagieren kann und ob Lukoil den Sturm überstehen wird.