Die Lage in der russischen Forstwirtschaft hat alarmierende Ausmaße angenommen. Die Branche steht vor massiven Herausforderungen, die sich aus geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ergeben. Vizeminister Mikhail Yurin hat kürzlich gewarnt, dass die Produktion im kommenden Jahr um schockierende 20 bis 30 Prozent einbrechen könnte. „Das ist ein Abwärtstrend, der bis 2027 weitergehen könnte“, heißt es Merkur.
Die Ursache für diesen Umbruch sind vielfältig. Ein hoher Leitzins der Zentralbank, verschärfte Sanktionen und ein starker Rubel sorgen dafür, dass der Zugang zu Exportmärkten zunehmend eingeschränkt ist. Besonders betroffen sind die Holzexporte, die seit Beginn des Krieges um mehr als 20 Prozent gefallen sind – von 12,5 Milliarden USD im Jahr 2021 auf nur noch 9,8 Milliarden USD. Der Holzverarbeitungssektor wird seitens des Wirtschaftsentwicklungsministeriums als einer der schwächsten der russischen Industrie eingestuft.
Krise in der Forstwirtschaft
Die jüngsten Zahlen belegen den dramatischen Rückgang der Produktion: Im dritten Quartal sank diese um 4,3 Prozent, und im Oktober gab es sogar einen Rückgang von 7,8 Prozent. Die Holzeinschlagmengen sind auf einen Tiefststand von 182 Millionen Kubikmetern gesunken – dem niedrigsten Wert der letzten vier Jahre. Besonders besorgniserregend ist die Insolvenz des größten Holzunternehmens Tobol in der Region Tjumen sowie die Betriebsstilllegung des Birkensperrholzwerks Svyezha-Tyumen, wo 323 Mitarbeiter ihren Job verloren. Diese Entwicklung trifft insbesondere die Angestellten in den Regionen, die keine alternativen Einkommensquellen haben.
Die Rückgänge in der Holzproduktion sind auch auf schwere Sanktionsfolgen zurückzuführen. Laut einem Bericht Ukrinform mussten Forstunternehmen massive Kürzungen hinnehmen. Die Holzbeschaffung ist im Vergleich zu 2021 um 13 Prozent zurückgegangen. Selbst die Schnittholzproduktion fiel um 11 Prozent, während die Produktion von Furnierholz um 23 Prozent zurückging. Ohne den europäischen Markt sieht sich die Branche in einer bedrohlichen Lage.der.
Öl- und Gassektor ebenfalls betroffen
Diese Krise ist nicht auf die Forstwirtschaft beschränkt. Auch der Öl- und Gassektor leidet unter den bestehenden Sanktionen. Schätzungen zufolge könnten die Staatseinnahmen aus dem Energiegeschäft im November um 35 Prozent auf etwa 520 Milliarden Rubel (rund 6,61 Milliarden USD) sinken. Langjährige Handelspartner wie Yanchang Petroleum und Sinopec haben ihre Einkäufe aus Russland eingestellt, was die Situation zusätzlich verschärft. Laut Wirtschaft-Ratgeber wird die VTB-Gruppe, die zweitgrößte Bank des Landes, Personal abbauen, um den Betrieb effizienter zu gestalten, nachdem der Nettozinsertrag im ersten Halbjahr 2025 um beachtliche 49 Prozent gesunken ist.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Mehrere Experten teilen die Auffassung, dass der negative Trend in der russischen Wirtschaft möglicherweise bis mindestens 2027 anhalten wird. Die Schaffung von Arbeitsplätzen wird immer herausfordernder, und die Stagnation in verschiedenen Sektoren könnte langfristige Folgen für die Stabilität des Landes und die Deviseneinnahmen haben. Hier zeigt sich, dass die Isolation und die bestehenden Exporteinschränkungen die Rohstoffindustrie stark belasten.