Gedenkfeier am Bodensee: Erinnern für ein solidarisches Miteinander!

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Am 9. November 2025 fand in Lindau eine Gedenkfeier zur Reichspogromnacht statt, organisiert von „Omas gegen Rechts Bodensee“, um an die Opfer zu erinnern.

Am 9. November 2025 fand in Lindau eine Gedenkfeier zur Reichspogromnacht statt, organisiert von „Omas gegen Rechts Bodensee“, um an die Opfer zu erinnern.
Am 9. November 2025 fand in Lindau eine Gedenkfeier zur Reichspogromnacht statt, organisiert von „Omas gegen Rechts Bodensee“, um an die Opfer zu erinnern.

Gedenkfeier am Bodensee: Erinnern für ein solidarisches Miteinander!

Am 9. November versammelten sich zahlreiche Menschen vor der Peterskirche in Lindau, um der Reichspogromnacht zu gedenken. Diese Gedenkfeier, organisiert von den „Omas gegen Rechts Bodensee“, stand unter dem einprägsamen Motto „Erinnern, Gedenken, Mahnen“. Ziel war es, den Opfern zu gedenken, deren Schicksale oft im Dunkeln verborgen blieben. Die Veranstaltung wurde zusätzlich der verstorbenen Mitstreiterin Irene Matthias gewidmet, was den emotionalen Rahmen der Zusammenkunft verstärkte.

Die Sprecherin der „Omas gegen Rechts Bodensee“, Charlotte Goldstein, ergriff das Wort und erinnerte eindringlich an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie warnte zugleich vor den fortwährenden Formen von Hass und Diskriminierung in der Gegenwart, die auf subtilere Weise an die Gräueltaten der Vergangenheit erinnern. In einer bewegenden Ansprache zeichnete Goldstein Lebens- und Leidensgeschichten von Menschen aus Lindau und Umgebung nach, um klarzustellen, dass die Reichspogromnacht der Anfang einer systematischen Verfolgung war.

Erinnern an die Vergangenen

Besonders betont wurden die Schicksale von Emilie und Gustav Röhl, die politisch verfolgt wurden und im Widerstand aktiv waren. Auch Alfons Schmidberger, ein homosexueller Häftling, und Josef Reinhardt, ein Sinto, wurden namentlich genannt. Sie alle haben ihre Menschlichkeit in Zeiten extremer Diskriminierung und Verfolgung bewahrt. Josef Wittmann, Mitglied der SPD, und Josef Gleixner, ein Kind und Opfer der NS-Euthanasie, ergänzten die bewegende Liste der lokalen Opfer.

Oberbürgermeisterin Claudia Alfons übernahm zudem das Grußwort und schilderte eindringlich die Ereignisse des 9. November 1938 in Lindau. Sie stellte klar, dass dieser Tag nicht nur das Resultat jahrelanger Hetze und Ausgrenzung war, sondern den Auftakt zu einem beispiellosen Verbrechen darstellte. Besonders sensibilisierte sie die Anwesenden für die stillen Opfer: Sinti und Roma, Menschen mit Einschränkungen, Homosexuelle und politisch Verfolgte. Ihre Worte hallten nach, als sie darauf hinwies, dass Rechtsextremismus und Hass in neuen Formen aufkamen und die Erinnerung eine Haltung der Achtsamkeit und des Mitgefühls erfordere.

Ein Aufruf zur Zivilcourage

Die Gedenkfeier verband historisches Gedenken mit einem klaren Appell an die Gegenwart. „Erinnerung ist das Gewissen der Zukunft“, hieß es, wobei der Fokus auf Solidarität, Vielfalt und Antifaschismus für ein harmonisches, demokratisches Miteinander gelegt wurde. Musikalische Darbietungen und stille Momente des Gedenkens unterstrichen die emotionale Tiefe der Veranstaltung, die einen wichtigen Raum für Reflexion und Diskussion bot.

Ein tieferer Blick in die Geschehnisse der Reichspogromnacht zeigt, dass zwischen dem 9. und 10. November 1938, orchestriert durch die Nationalsozialisten, über 91 jüdische Menschen getötet wurden. Die Pogrome, ein Initiationsritus für die darauf folgende brutalere Phase der Verfolgung, führten außerdem zur Zerstörung von über 1.400 Synagogen und mehr als 7.000 jüdischen Geschäften. Diese Gewalteskalation stellte nicht bloß einen Höhepunkt des Antisemitismus dar, sondern ebnete auch den Weg für die Schreckensherrschaft des Holocausts, wie auf Wikipedia nachzulesen ist.

Die Gedenkfeier in Lindau war nicht nur ein Rückblick in eine tragische Vergangenheit, sondern auch eine eindringliche Mahnung für die Zukunft: Warum es wichtig ist, Zivilcourage zu zeigen und gegen Diskriminierung und Hetze ein Zeichen zu setzen. In diesem Sinne sind solche Gedenkfeiern unverzichtbar, um das kollektive Gedächtnis wachzuhalten und den Opfern die Ehre zu erweisen, die sie verdienen. So bleibt die Erinnerung lebendig und wird zu einem Gewissen für kommende Generationen.