Insolvenzschock im Allgäu: Naturkost-Perle Übelhör am Ende?
Insolvenz der Naturkost Übelhör GmbH aus Ravensburg: 38 Arbeitsplätze gefährdet, während Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigen.

Insolvenzschock im Allgäu: Naturkost-Perle Übelhör am Ende?
In einer besorgniserregenden Entwicklung hat die Naturkost Übelhör GmbH & Co. KG aus Friesenhofen, Baden-Württemberg, Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Ravensburg gab am 15. Oktober 2025 dem Antrag statt und hat nun die bevorstehenden Verfahren eingeleitet. Dabei wird Rechtsanwalt Alexander Hubl von der Kanzlei Schneider Geiwitz & Partner als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Das einst als Ein-Mann-Betrieb gegründete Unternehmen hat sich bis heute zu einem international agierenden Betrieb entwickelt, der Bio-Rohstoffe wie Chiasamen und Hülsenfrüchte für die Lebensmittelindustrie importiert und veredelt.
Die Insolvenz ist nicht nur ein Rückschlag für das Unternehmen, sondern betrifft auch 38 Arbeitsplätze, die nun auf der Kippe stehen. Der Insolvenzverwalter plant, die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden über Insolvenzgeld abzusichern und eine Vorfinanzierung zu organisieren, um die bestehenden Aufträge im Dienstleistungsgeschäft weiterhin abwickeln zu können. Es ist jedoch dringend, die vorrätigen Bio-Rohstoffe zu verkaufen, da diese teilweise verderblich sind. Die ungewisse Zukunft des Unternehmens wirft größere Fragen auf – ob Restrukturierungsmaßnahmen greifen werden, ist derzeit noch unklar.
Insolvenzwelle in Deutschland
Die Insolvenz von Übelhör ist Teil einer besorgniserregenden Trendwende in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2025 wurde die Zahl der Unternehmensinsolvenzen mit 11.900 Fällen auf den höchsten Stand seit zehn Jahren angehoben. Dies ist ein Anstieg von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, berichtete Creditreform. Patrick-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, beschreibt die Situation als eine tiefgreifende Wirtschafts- und Strukturkrise, in der Unternehmen zunehmend mit widrigen Bedingungen kämpfen müssen.
Steigende Kosten, schwache Nachfrage und eine bleibende Unsicherheit setzen Wohnungen und Betriebe zu. Diese Probleme führen dazu, dass viele Firmen an ihre finanziellen Grenzen stoßen und ein Punkt erreicht ist, an dem Kredite teils nicht mehr verlängert werden. Auch die Verbraucherinsolvenzen nehmen zu – rund 37.700 Fälle wurden im ersten Halbjahr 2025 gemeldet und zeigen ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Zukunft im Blick
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Im Jahr 2024 gab es bereits 21.812 Unternehmensinsolvenzen, was einen Anstieg von 22,4 % im Vergleich zu 2023 darstellt. Für 2026 wird sogar ein weiterer Anstieg auf 24.500 Insolvenzen prognostiziert, den höchsten Wert seit zwölf Jahren. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen vielen Unternehmen das Leben schwer.
Die Unsicherheiten sind vor allem bei Klein- und Mittelstandsbetrieben spürbar. Besonders Hoch im Kurs sind zurzeit Branchen, die absolut notwendig sind, während andere Sektoren, die auf Konsum und Dienstleitung angewiesen sind, stark unter Druck stehen. Vor diesem Hintergrund ist die Insolvenz der Naturkost Übelhör GmbH nur ein weiterer tragischer Beleg für das, was viele in Deutschland derzeit durchmachen.
Destatis berichtet, dass die Konsumlaune der Bevölkerung sinkt und weniger Geld für nicht lebensnotwendige Güter ausgegeben wird. Diese verheerenden Effekte zeigen sich auch in den Fallzahlen, die seit mindestens einem Jahr stagnieren und auf eine ernsthafte wirtschaftliche Herausforderung hinweisen.