Im Herzen des Frankfurter Stadtteils Eschersheim thront der Eschersheimer Wasserturm, ein architektonisches Kleinod, das im Jahr 1901 erbaut wurde. Mit seinen 35 Metern Höhe und der beeindruckenden neobarocken Gestaltung ist der Wasserturm nicht nur ein Wahrzeichen der Region, sondern auch ein bedeutendes Stück Geschichte. Derzeit gehört das Areal, das den Wasserturm und ein 1400 Quadratmeter großes Gelände umfasst, der Mainova AG, die nun einen Investor sucht, um die Liegenschaft für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch aktive Verhandlungen über einen Verkauf stehen momentan noch aus.

Die letzten Jahre waren für den Wasserturm nicht gerade rosig. Der Zustand des Bauwerks ist schlecht, wie ein Gutachten von 2019 zeigt, das umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen empfiehlt, die größtenteils ungenutzt blieben. Dachprobleme, bröckelnde Wände, Risse im Putz und Mooswachstum am Turmfuß sind nur einige der Mängel, die die Bürger besorgt stimmen. Zudem wurde der Mietvertrag mit der Studentenverbindung Moeno-Franconia gekündigt, und der Turm ist zurzeit wegen der Gefahr von herunterfallenden Schieferplatten gesperrt.

Ein Denkmal mit Geschichte

Der Eschersheimer Wasserturm, der zusammen mit dem ersten Eschersheimer Wasserwerk errichtet wurde, diente einst der Speicherung von bis zu 300.000 Litern Wasser und war bis 1910 in Betrieb. Danach wurde die Wasserversorgung zentral von Frankfurt organisiert. Der Turm, der unter Denkmalschutz steht, blieb während des Zweiten Weltkriegs weitgehend unbeschädigt und wurde in den 1920er Jahren von der Wohnsiedlung Am Lindenbaum umgeben, die nach einem Entwurf von Walter Gropius gestaltet wurde.

Die Bürgerinitiative Wasserturm ist eine der Gruppen, die sich vehement für die öffentliche Nutzung des Wasserturms einsetzen. Sie hat bereits eine Petition mit 546 Unterschriften eingereicht, um die öffentliche Nutzung zu sichern und den Magistrat zu bewegen, sich für den Erhalt des Turms einzusetzen. Sebastian Tokarz, Referent im Dezernat Planen und Wohnen, bestreitet jedoch Kaufabsichten der Stadt Frankfurt und betont, dass ein angemessener Abstand zum Wasserturm bei künftigen Bebauungsplänen eingehalten werden sollte. Ein Runder Tisch zur Zukunft des Wasserturms, wie von der Bürgerinitiative gefordert, hat bisher jedoch noch nicht stattgefunden.

Zukunftsaussichten und Herausforderungen

Die Herausforderungen für die Erhaltung des Wasserturms sind zahlreich. Während Initiativen und Vereine sich für eine öffentliche Nutzung stark machen, bleibt die Frage der Finanzierung und der baulichen Instandhaltung offen. Ein weiteres Gutachten könnte notwendig sein, um den aktuellen Zustand des Turms genauer zu bewerten. Im Januar 2023 stellte die Grüne Partei eine Anfrage zur letzten Zustandsbewertung durch das Denkmalamt, während die SPD im Februar 2023 Maßnahmen zur Sicherung und Erhaltung des Wasserturms beantragte, da das Mansardendach als einsturzgefährdet gilt.

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Der Eschersheimer Wasserturm ist nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern auch ein Symbol für das kulturelle Erbe Frankfurts. Die Bürger und die Stadt stehen nun vor der Herausforderung, dieses Erbe zu bewahren und gleichzeitig für eine öffentliche Nutzung zu sorgen. Ob und wie der Wasserturm in Zukunft genutzt wird, bleibt abzuwarten, doch die Diskussionen und Initiativen zeigen, dass ein großes Interesse an der Rettung und Revitalisierung dieses Wahrzeichens besteht.