In Herne steht die Stadtpolitik vor einer heiklen Entscheidung: Geplant ist eine neue Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) an der Südstraße 48, die Platz für bis zu 800 geflüchtete Menschen bieten soll. Diese Initiative ist der Nachfolger einer bereits bestehenden Einrichtung an der Dorstener Straße, die bis Ende 2024 betrieben wurde und ebenfalls Platz für 750 Personen offerierte. Ob die neue ZUE jedoch tatsächlich realisiert wird, ist ungewiss, denn die Pläne stoßen auf erhebliche Bedenken seitens der Bürger und Gewerbetreibenden.

Die Euroimmo GmbH hat bereits eine Bauvoranfrage eingereicht, die sowohl den Umbau bestehender Gebäude als auch einen Neubau umfasst. Die Stadt hat hier einen positiven Bauvorbescheid erteilt und den Grundstückseigentümern nahegelegt, einen offiziellen Bauantrag zu stellen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Bezirksregierung Arnsberg ihre Zustimmung zu diesem Vorhaben bereits gegeben hat. Diese Entscheidung soll zu einer finanziellen und organisatorischen Entlastung für die Stadt Herne führen, da die Betreuung der geflüchteten Personen in der Landesunterkunft nicht zu den kommunalen Pflichten zählt, sondern vom Land übernommen wird.

Bedenken und Kritik am Vorhaben

Trotz der positiven Signale seitens der Politik gibt es beim BSW-Kreisverband Herne große Bedenken. Der Verband zeigt sich enttäuscht über die als übereilt und unzureichend begründet empfundene Entscheidung zur ZUE. Diese institutionelle Ansiedlung innerhalb des dicht besiedelten Ballungsraums Emscher wird als unfaire Belastung bewertet. Ein Hauptanliegen der Kritiker ist der bereits bestehende Mangel an verfügbaren Gewerbeflächen in Herne, der die Ansiedlung neuer Unternehmen erschwert.

In einer kürzlich abgehaltenen Ratssitzung am 10. Februar 2026 wurden die Kommunalpolitiker von der Stadtverwaltung über die Pläne in Kenntnis gesetzt. Der BSW kritisiert, dass wichtige Fragen zur Wahl des Standorts und zu den Kriterien für alternative Lösungen nicht ausreichend behandelt worden sind. Zudem besteht die Befürchtung, dass die Einführung der ZUE langfristig auch den Grundstückspreisen schadet, Mieter fernhält und wirtschaftliche Einbußen für die Stadt nach sich zieht.

Öffentliche Diskussion und Einbindung der Anwohner

Der BSW unterstützt die Bürger, die sich überrumpelt fühlen und fordert eine Offenlegung der Entscheidungsgrundlagen sowie eine umfassende Einbindung der Anwohner in den Prozess. In diesem Zuge lud die Bezirksregierung Arnsberg bereits Eigentümer und Anwohner zu einer Informationsveranstaltung ein, um über die Fortschritte und Neuigkeiten bezüglich des Projekts zu informieren. Es ist wichtig, dass die Stadtgesellschaft hier Transparenz erhält, um mögliche Befürchtungen zu zerstreuen.

Das Land NRW betreibt derzeit insgesamt 30 Zentrale Unterbringungseinrichtungen, die für 160 bis 1.376 Personen ausgelegt sind, wobei insgesamt 34.960 Plätze im Landesaufnahmesystem verfügbar sind. Diese ZUEs sind verantwortlich für die Unterbringung, Betreuung und Versorgung von geflüchteten Personen, die einen temporären Aufenthalt benötigen, bevor sie auf Kommunen verteilt werden. Gerade in Zeiten, in denen die Diskussion um Fluchtursachen immer wichtiger wird, sollte jedoch auch dieser Aspekt nicht vernachlässigt werden, betont der BSW.

Die politischen Entscheidungsträger in Herne stehen also vor der Herausforderung, die Bedürfnisse der geflüchteten Menschen mit den Bedenken der Bevölkerung in Einklang zu bringen. In der kommenden Zeit wird sich zeigen, wie sich diese komplexe Situation entwickeln wird.