Pistorius fordert flächendeckende Musterung: Kommt der Wehrdienst zurück?
Verteidigungsminister Pistorius besucht Münster-Handorf, diskutiert Wehrdienst-Reform und flächendeckende Musterung junger Männer.

Pistorius fordert flächendeckende Musterung: Kommt der Wehrdienst zurück?
In Münster-Handorf hat Verteidigungsminister Boris Pistorius zum Auftakt seiner Besuche beim Heimatschutzregiment 2 Fragen rund um den Wehrdienst und die geplante Wehrdienstreform aufgegriffen. Inmitten von Diskussionen über die künftige Struktur der Bundeswehr empfiehlt er eine flächendeckende Musterung aller jungen Männer eines Jahrgangs. „Wir müssen wissen, wer im Verteidigungsfall einziehbar ist“, so Pistorius, der seine Zuversicht bezüglich einer Einigung in der Koalition in dieser Woche zum Ausdruck brachte. Dies berichtet radiowaf.de.
Die Planungen zur Stärkung der Bundeswehr sehen vor, den freiwilligen Wehrdienst attraktiver zu gestalten. Ähnlich wie in anderen Ländern könnte dieser Ansatz helfen, die Truppen zu vergrößern. Falls dies nicht ausreicht und zu wenig Freiwillige gewonnen werden, plant Pistorius, dass auch Pflichtelemente eingeführt werden. Diese Möglichkeit hat in der Regierungskoalition zu heftigen Diskussionen geführt, wie tagesschau.de berichtet. Es gibt Streit um die genauen Details, vor allem um die Idee, die Betroffenen auszulosen, was die Debatte nur noch weiter anheizte.
Aktuelle Personalsituation in der Bundeswehr
Aktuell sind rund 182.000 Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr aktiv. Die Zielvorgabe von Pistorius sieht jedoch eine Aufstockung auf etwa 260.000 aktive Kräfte und zusätzlich 200.000 Reservisten vor. André Wüstner, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbands, hat bereits die Bemühungen um eine bessere Verteidigungsfähigkeit in Frage gestellt und einen „Umschaltmechanismus“ im Wehrdienstgesetz gefordert.
Gerade bei den jungen Menschen sorgt die Wehrdienstdebatte für Verunsicherung. Quentin Gärtner, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, berichtete von den Sorgen der Jugendlichen, die von diesen Änderungen betroffen sind. Der Deutsche Bundesjugendring hat die angemeldeten Pläne kritisiert und fordert eine Einbeziehung älterer Jahrgänge in die Wehrpflicht, was zusätzliche Diskussionen in der Koalition nach sich zieht.
Ausblick auf das neue Wehrdienstgesetz
Das neue Wehrdienstgesetz, welches am 1. Januar in Kraft treten soll, basiert zunächst auf Freiwilligkeit. Innerhalb der Koalition wird jedoch über Mechanismen diskutiert, die greifen sollen, wenn nicht genügend Freiwillige rekrutiert werden können. Boris Pistorius hat sich klar gegen das in der Koalition besprochene Losverfahren ausgesprochen – eine Entscheidung, die möglicherweise weitreichende Folgen für die Wehrstruktur haben könnte, zumal die Debatte über die Wehrpflicht und die Zukunft der Bundeswehr gerade in einem sensiblen politischen Umfeld stattfindet.